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Meine perfekten zwei Wochen

ZITTY-Redakteurin Julia Lorenz empfiehlt ihre persönlichen Highlights der kommenden 14 Tage und Nächte

Foto: © Promo

Das Nervige und zugleich Herrliche an Berlin ist ja auch: Selbst wenn man sich mal ein Wochenende aus der Stadt verkrümelt, gibt es doch immer Veranstaltungen, die so spannend sind, dass einem das Fortsein ein wenig verleidet wird. Deshalb, liebe Leserinnen und Leser, tun Sie mir bitte den Gefallen: Schwärmen Sie aus, während ich in der Ferne Hochzeitspolka tanze ! Nehmen Sie am 4. und 5. August den Weg ins Funkhaus Nalepastraße in Kauf, um bei der zweiten Ausgabe des Detect Classic Festivals endlich den Zusammenhang zwischen Klassik und Techno zu kapieren. Vielleicht können Sie mir danach mitteilen, ob Acts wie Sonne, Mond und Mango wirklich so toll waren, wie ihr Name vermuten lässt. Und ob Sie die Milchbar im Funkhaus genauso sehr lieben wie ich.

Auch am Samstag, den 11. August, zähle ich auf Sie. Da nämlich rave ich mich liederlicherweise in der Provinz ins Nirvana, während in der Moabiter Kulturfabrik die Revolution geplant wird. Beim Mini-Festival Feministival will man der Frage nachgehen, wie man den Spätkapitalismus am besten überlebt, so als Feministin. Tagesordnungspunkte: Zines basteln, Vorträge über Gentrifizierung und Frauen im Hip-Hop-Business hören, Filmgucken im Lichthof, abends tanzen. Erlebnisberichte und Partyfotos dann bitte umgehend an [email protected] Vielen Dank!
Und da Ihnen beim feministischen Diskutieren sicher aufgefallen ist, dass Sie seit Monaten auf den großen Literaturbeitrag zur #MeToo-Debatte warten, möchte ich Ihnen den Kurzgeschichtenband „Sagte Sie“ ans Herz legen. Vielleicht sollten Sie den an einem schönen Ort lesen, unter einem Baum im Humboldthain etwa. Denn die 17 Geschichten von Autorinnen wie Anke Stelling und Fatma Aydemir, die von Macht und Ohnmacht handeln, sind teils grandios – aber nicht leicht zu konsumieren.

Ebenso wenig wie die Alben der Britin M.I.A.: Musikerin, Aktivistin, Tochter eines Kämpfers der paramilitärischen Tamil Tigers. M.I.A. singt über globale Ungerechtigkeit, über Geflüchtete, über den Kampf der Palästinenser. Gerade, weil ich nicht alle ihrer Positionen teile, weil ich sie als Künstlerin so kontrovers wie spannend finde, würde ich am 4. August den Dokumentarfilm „Matangi / Maya / M.I.A.“ schauen, der im Rahmen des Wassermusik-Festivals gezeigt wird. Wäre ich nur in Berlin!

Gut, dass die Schau von Loredana Nemes in der Berlinischen Galerie noch bis Oktober läuft. Deren poetische, manchmal fast surreal verfremdete Schwarzweißfotos sind wie Dream Pop fürs Auge – obwohl sie die Realität an Orten wiedergeben, an denen das Leben für viele kein Traum ist. Treffen Sie mich also beim Gucken und Staunen!

Oder aber: beim Hören und Wundern, wenn Ariel Pink, der famose Dr. Seltsam des Synthesizer-Pops, am 6. August im Festsaal Kreuzberg spielt. Dessen Album „Dedicated To Bobby Jameson“ hat mich nämlich so nachhaltig verwirrt und glücklich gemacht wie kaum ein anderes aus dem letzten Jahr. Wenn ich dann mal wieder fort war und mich ärgere, in Berlin die beste Party des Jahres, ach was, aller Zeiten verpasst zu haben, hallt in meinem Kopf bestimmt noch der Refrain eines seiner schönsten Songs nach: „Another Weekend“.