NEUER CIRCUS

Memory of Fools

Die Prager Kompanie Cirk La ­Putyka schießt einen Mann auf den Mond und zeigt noch mehr Erstaunliches

Wo bitte geht’s zum Mond: Filip Zahradnický – Foto: Mehmet Dedeoglu / dedepress

Ein Junge träumt davon, Astronaut zu werden und zum Mond zu fliegen. Also bewirbt er sich für ein Astronautentraining, verliebt sich dabei und landet schließlich tatsächlich auf dem Erdtrabanten. Das ist kurzgefasst die Story der neuen Produk­tion des Cirk La Putyka. Die Prager Kompanie um ihren Regisseur Rostislav Novák legt viel Wert auf eine Story, die bloße Aneinanderreihung raffinierter Akrobatik ist nicht ihr Stil.

Die Tschechen, die mit dem Chamäleon längst ein Berliner Zuhause haben, sind ein geradezu exemplarisches Beispiel für den Neuen Circus, der Artistik, Tanz, Schauspiel, Puppentheater, Musik und ­Videokunst in einem dramaturgischen Konzept zu einem ganz eigenen Gesamtkunstwerk verschmilzt. Ganz so simpel wie oben erzählt, erweist sich die Geschichte dann natürlich auch nicht.

Alte Fensterholzrahmen, wabenähnlich in- und übereinander gestapelt, bilden das irritierend unfuturistische, aber viele Spielmöglichkeiten eröffnende Bühnenbild. Die neun Artisten zeigen ihr Können mit Jonglage, Luftring, Cyr Wheel oder Schleuderbrett, aber alles dient der Geschichte. Sie verkörpern Figuren, sind Protagonisten der phantastischen Mond­reise. Zu sehen sind zwar eher skurrile Typen als Charaktere, Fools eben, aber an diese „Memorys of Fools“ erinnert man sich sehr gerne zurück. FRIEDHELM TEICKE

Bis 18.8., Mi-Fr 20 Uhr, Sa 18+21.30 Uhr, So 18 Uhr, Chamäleon Theater, Rosenthaler Str. 40/41, Mitte. Regie Rostislav Novák jr.; mit Solenne Baily, Michal Boltnar, Vojtěch Fülep, Šárka Fülep Bočková u.a., Eintritt 37–59, erm. 28–46 €