URAUFFÜHRUNG

Meteoriten

Das merkwürdige Verhalten ­geschlechtsreifer Großstädter ist hier nur bedingt abendfüllend

Queeres Kaleidoskop: Das Ensemble ist toll – Foto: Ute Langkafel
Queeres Kaleidoskop: Das Ensemble ist toll – Foto: Ute Langkafel
ZITTY-Bewertung: 2/5
ZITTY-Bewertung: 2/5

„Sasha“ hat Marianna Salzmann ihrem Namen neuerdings vorangestellt. Mit dem Unisex-Namen, der russischen Koseform für Alexandra wie für Alexander, will die Gorki-Hausautorin ein Statement für Geschlechtsneutralität setzen, so wie sie als Leiterin des Gorki-Studio Я (von 2012 bis 2015) die dortigen Klos in Unisex-Toiletten umwandelte und die Uri­nale eigenhändig mit Blumen bepflanzte.

Geschlechtsidentitäten umtreiben also nicht nur Facebook (wo man unter 60 Optionen von Androgyn bis Zwitter wählen kann), sondern auch die vielfach preisgekrönte Autorin. Ihr neues Stück verhandelt denn auch sexuelle Identitäten und politische Konflikte mondäner, junger Großstadtmenschen. Da ist ein illegal in Berlin lebendes schwules isrealisch-syrisches Pärchen, das sich mit einem lesbischen Paar zusammentun will, um Kinder adoptieren zu können. Doch dann outet sich die eine Hälfte des lesbischen Paars als Transmann, der die Geschlechtsumwandlung plant. Und dann ist da noch der Russe Seröscha, der statt zur Beerdigung seines Vaters nach Russland zu fliegen, sich lieber in Berliner Schwulenbars rumtreibt.

Das glänzende Spiel des Gorki-Ensembles hilft nicht darüber hinweg, dass das Kaleidoskop mit Motiven aus Ovids „Metamorphosen“ reichlich konstruiert wirkt und einen heterosexuell festgelegten Betrachter völlig kalt lässt. FRIEDHELM TEICKE

29.4., 8.5., 19.30 Uhr, Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte, Regie: Hakan Savaş Mican; mit Mareike Beykirch, Dimitrij Schaad, Thomas Wodianka. Eintritt 10-34 €