Kino

Milchkrieg in Dalsmynni

2015 sorgte der isländische Regisseur Grímur Hákonarson mit dem Bruderzwistdrama „Sture Böcke“ für Aufsehen. Auch in seinem neuen Film blickt Hákonarson auf die Menschen auf dem Land, weit weg von der Hauptstadt Reykjavik. Und wie im Vorgängerfilm schimmert auch hier ein leiser Humor durch.

Milchkrieg In Dalsmynni
Foto: Alamode Film

Nach dem überraschenden Tod ihres Mannes steht Bäuerin Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) vor dem Aus: Der Hof ist hoch verschuldet, die Arbeit alleine auf Dauer nicht zu bewältigen. Dass die Schulden ja nicht weniger werden, dafür sorgt im Nordwesten Islands die örtliche Kooperative. Sie nutzt alte bestehende Verträge schamlos aus und zwingt die Landwirte, die für die Arbeit notwendigen Produkte überteuert einzukaufen. Doch nicht mit Inga – die hat nichts mehr zu verlieren. Was mit einem erbosten Posting auf Facebook beginnt, mausert sich schnell zur kleinen Revolution.

Und von der erzählt Grímur Hákonarson, selbst in der isländischen Provinz aufgewachsen, in eher zurückhaltender Manier. Eine Überhöhung der tapferen Heldin ist ihm genauso fremd wie der Hang zur großen Geste oder zum mitreißenden, lärmenden Solidaritätsakt. Stattdessen: ein ruhiges Provinzdrama vom Kampf eines weiblichen David gegen einen männerdominierten Goliath. Etwas mehr Tempo hätte der Geschichte aber durchaus gutgetan.

„Héraðið“, ISL/DK/D/F 2019, 92 Min., R: Grímur Hákonarson, D: Arndís Hrönn Egilsdóttir, Sveinn Ólafur Gunnarsson, Start: 9.1.

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