Schauspiel

Moby Dick

Anita Vulesica setzt in der Volksbühne ein junges Frauenteam auf den weißen Wal an.

Ernst-Busch-Studentinnen als Mann-schaft – Foto: Vincenzo Laera

Was ist der Wal? Ein Ungetüm mit der „gewaltigen, im sehnigen Schwanz versammelten Kraft“? Ein Symbol der Männlichkeit? Kapitän Ahab will und muss den weißen Wal finden und Rache nehmen für die Verstümmelung, die der ihm zugefügt hat. Das gewaltige Werk von Hermann Melville beschäftigt sich mit seinem Rachefeldzug, mit Walkunde und einigem mehr.

In der Volksbühne rackern sich fünf junge Ernst-Busch-Studentinnen ab an dem Stoff, der ein Ungetüm ist wie das Tier. Kraftmeierisch versammeln sich die Frauen zur Waljagd, demonstrieren Masken der Männlichkeit, schmecken die Faszination der Jagd, sprechen abwechselnd und chorisch, sind ­Meute und Befehlsempfänger, werden aber auch zum Ahab und schnallen sich alle ein Holzbein um.

Die Schauspielerin und Regisseurin Anita Vulesica legt zusammen mit ihrem weiblichen Team „Moby Dick“ unters Messer: Was, verdammt nochmal, ist so faszinierend an dieser archaischen Jagdgeschichte? Wunderbar, wie leichthändig und selbstverständlich die Gesten der Männlichkeit hier dekonstruiert werden. Eine neue Leichtigkeit scheint Einzug gehalten zu haben im Zuge von #metoo. Eine wirkliche Antwort auf die Frage nach der Faszination finden die Frauen leider nicht. Trotzdem: tolle Schauspielübung. REGINE BRUCKMANN

11., 13.–16.2., 20 Uhr, Volksbühne, Dritter Stock, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Regie: Anita Vulesica; mit Therese Lösch, Eva Maria Nikolaus, Sarah Quarshie, Milena Schedle, Julia Zupanc. Eintritt 14, erm. 9 €