Täuschungen

Naturfotografie: Modell-Naturen

Täuschend echte Modell-Naturen und Natur-Modelle: Fotomotive von Oliver Boberg, Sonja Braas, Julian Charrière, Shirley Wegner und Thomas Wrede

©Shirley Wegner / Courtesy Farideh Cadot Paris and the artist
Shirley Wegner: „Night Explosion“, 2013, C-Print, 100 x 135 cm
©Shirley Wegner / Courtesy Farideh Cadot Paris and the artist

Die Ausstellung „ Modell-Naturen “ zeigt, dass fotografische Bilder täuschen können. Oder vielmehr: Nicht eigentlich die Bilder sind es, sondern unsere Augen, die sich täuschen lassen. Denn die Arbeiten der fünf Fotokünstler*innen in der Alfred-Ehrhardt-Stiftung – Oliver Boberg, Sonja Braas, Julian Charrière, Shirley Wegner, Thomas Wrede – kommen ohne bildtechnische Bearbeitung nach der Aufnahme aus. Nur zeigen sie eben nicht das, was man zu sehen meint, sondern Modelle davon: ein Haus in den Bergen, das „in Wirklichkeit“ aus einer Spielzeugkiste stammen könnte, ein verschneites Gebirge, das „eigentlich“ nur der mehlbestäubte Schutthafen einer Baustelle ist, unscheinbare-pittoreske Häuserecken, deren ge­alterten Oberflächen man nicht ansieht, dass sie in verkleinertem Maßstab im Atelier entstanden sind.

Selten ist das Gemachte der Modelle im Foto sichtbar – etwa, wenn bemalte Watte­bäusche als Wolken dienen (Abb.). Der Reiz liegt meist gerade darin, dass man sich fragt: Wie wurde das gemacht? Und: Was ist ­eigentlich wirklich? Sind diese oft perfektionistischen Modelle nicht vielleicht sogar wirklicher als die kontingente Wirklichkeit „da draußen“? Oder sind sie nur der unzureichende Versuch, Natur und Schöpfungsakt zu kopieren? Kurzum: Verblüffung und Anregung bei dieser Schau sind groß.

Bis 26.4.: Alfred-Ehrhardt-Stiftung, Auguststr. 75, Mitte, Di–So 11–18 Uhr, Eintritt frei