Kollektive gegen rechts

Modus – Schaum schlagen mit Fake-Werbung

Ihre Aktionen docken an bekannte Bilder an und zwingen zum Bekenntnis. Hinter Modus stecken Medien- und andere Profis, die Rechten den öffentlichen Raum streitig machen

2018 sei das Jahr, in dem Cola-Marken sich klarer gegen Nazis positioniert haben, als der Innenminister, schrieb kürzlich die Autorin und Komikerin Sophie Passmann auf Twitter. Wie konnte das passieren?

 

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Anfang Dezember tauchte ein Coca-Cola-Plakat vor der Berliner AfD-Parteizentrale auf. „Für eine besinnliche Zeit: Sag’ Nein zur AfD!“ war darauf zu lesen, darunter reckt der berühmte Coca-­Cola-Weihnachtsmann eine Flasche Brause ins Bild. Eine Fälschung, die natürlich die AfD vor Wut schäumen ließ. Und Coca Cola? Teilte das Plakat auf Twitter, versehen mit dem Spruch: „Nicht jeder Fake muss falsch sein.“ Als ein AfD-Anhänger zum Gegenschlag ausholte und ein Pepsi-Plakat entwarf, das sich für die rechte Partei aussprach, distanzierte sich der Pepsi-Konzern mit deutlichen Worten. Auch die Versuche der AfD, die deutschen Unternehmen Vita und Fritz Cola zu vereinnahmen, wurden von Firmensprechern mit einem Statement gegen die Partei quittiert.

Modus
Anti-AfD-Reklame mit Wiedererkennungswert: Das Kollektiv Modus drängt zur Positionierung
Foto: Markus Heine / imago

Hinter dem gefälschten Plakat, das die Positionierungswelle in der Brausebranche lostrat, steckt ­Modus – ein Kollektiv, bestehend aus über 50 Menschen aus verschiedensten Branchen, darunter Kunst, Journalismus, Film, Gastronomie und Bildungswesen. Das Weihnachtsplakat veröffentlichten sie im Rahmen ihres Projekts #AfDentskalender. „Der Kalender ist eine Plattform, auf der wir Aktio­nen sammeln, veröffentlichen und auch initiieren möchten, die sich im ersten Schritt mit dem Rechtsruck in Deutschland befassen“, schreibt unsere Kontaktperson. Ziel der Aktion ist außerdem, die Rechten, die über Twitter, Facebook und Co. ihre Anhänger rekrutieren, mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen: Wenn schon jede kleine Meldung zur AfD gewaltige Medienresonanz erzeugt, so die Modus-Logik, wolle man wenigstens selbst mitbestimmen, worum es in den tausendfach geteilten Artikeln geht. Und die AfD eben auch mal so richtig schön lächerlich machen.

Besonders wichtig sei dem Kollektiv, „uneitel und anschlussfähig“ zu wirken, alle zum Mitmachen zu aktivieren – und auch junge Leute anzusprechen. „Und wenn das inzwischen über Instagram besser funktioniert als über Podiumsdiskussionen und ­Demos, dann nutzen wir eben auch Instagram und den ganzen anderen Kram.“ Jede*r könne dem Kollektiv Material zusenden, es gebe nicht „die eine feste Gruppe“. Auch die Cola-Aktion habe Modus nur veröffentlicht. Aber wer koordiniert das ­Ganze? „Unser/e Sprecher*in ist ,Das Gespenst des Populismus‘ und ein sehr fluides Wesen“, lautet die erratische Antwort von Modus. „Je nach Aktion, Gruppe und Tageszeit taucht es da auf, wo es gebraucht wird.“

Für die spektakulären Auftaktaktion habe man bewusst Coca-Cola gewählt, um die „vielleicht größte Marke überhaupt dazu zu ‚zwingen’, sich zu positionieren. Das bot sich einfach an, ist dann überraschend gut gelungen und bildete die Grundlage dafür, dass wir inzwischen täglich eine Menge Menschen erreichen mit unseren Aufrufen“, schreibt Modus. Als Nötigung betrachtet das Kollektiv ­diese Form von Konfrontation allerdings nicht: „Coca Cola ist ja keine Privatperson. Der Konzern hat sich dazu entschlossen, das ganze einigermaßen positiv zu kommentieren. Das begrüßen wir natürlich, deswegen feiern wir aber die Marke nicht ab. Die haben auch genug Dreck am Stecken.“ Es stehe jedem frei, sich zu den Aktionen zu verhalten – „wir hoffen aber natürlich, dass das Coca-Cola-Beispiel Schule macht und Firmen und Leute sich positionieren, statt zu schweigen.“

Rechtliche Konsequenzen könnte die Plakataktion – trotz wohlwollender Reaktion des Konzerns – für die Macher*innen dennoch haben. Patrick Kammerer, bei Coca-Cola Deutschland für Public Affairs zuständig, erklärte dem Tech-Magazin „Basic Thinking“: „Der Fake stellt eine Rechteverletzung dar. Kein Unternehmen kann das durchwinken.“ Deshalb habe man die Fälschung den Behörden ­direkt gemeldet.
Den AfD-Gegner*innen scheinen solche Risiken egal zu sein: Wenige Tage nach dem antifaschistischen Weihnachtsmann tauchte vor der Gedächtniskirche ein Nutella-Werbeplakat mit der Aufschrift „Lieber braun auf’s Brot als braun im Kopf“ auf. Bislang hat Ferrero nur betont, das Plakat nicht selbst aufgehängt zu haben, und ansonsten zur Aktion geschwiegen. Sei’s drum: Das „Gespenst des Populismus“, so scheint es, kriegt man nicht mehr so schnell zurück in die Flasche.