PERFORMANCE

Möchten Sie noch? Nein danke!

Schrägwitzige Fingerübung

Situationskomisch: Clausen (li.) mit Ensemble – Foto: Florian Krauss

Zwei Kellner schwirren elegant um eine Tafel, an der vier skurrile Typen sitzen. Sie plaudern über Marsflüge und ähnliche Banalitäten – und mühen sich mit den servierten Speisen ab, edle, kleine Kreationen, die kaum einer der Performer mit einer Behinderung unfallfrei in den Mund bekommt. Hin und wieder taucht Moritz Wels auf, verführt Kellner Martin Clausen zu einem Spaziergang. Das Klavier (Santiago Blaum) klimpert Bach und Mozart. Über allem schwebt ein Bildschirm, der Szenen aus Wolfram Deutschmanns Film „Lieber arm dran, als Arm ab“ zeigt: Proteste Behinderter gegen eine scheinheilige Inklusionsveranstaltung 1981.

„Möchten Sie noch? Nein danke!“ ist Martin Clausens erste Regiearbeit am Thea­ter Thikwa. Wie in seinen Arbeiten am HAU schlägt auch dieser Abend Witz aus sonderbar aufeinanderprallenden Motiven, um die Ecke gedachten Sätzen, skurriler Situationskomik. Vor allem Mereika Schulz brilliert als kindlich-clowneske Kellnerin.

Das ist in den gut 70 Minuten immer wieder schreiend komisch. Allerdings bleibt „Möchten Sie noch?“ bei allem schrägen Witz mit seinen szenischen ­Anekdoten eine freundliche Fingerübung, die gerade in der Begegnung mit Deutschmanns kraftvollen Filmszenen harmlos wirkt. GEORG KASCH

10.–13.10., 20 Uhr, Theater Thikwa, Fidicinstr. 40, Kreuzberg. Regie: Martin Clausen; mit Nico Altmann, Martin Clausen, Ingo Joers, ­Alexander Lange, André Nittel, Mereika Schulz, Moritz Welz. Eintritt 16, erm. 10 €