Jonathan Meese

Mondparsifal

Der Künstler Jonathan ­Messe übermalt im Rahmen der Festspiele-Reihe „Immersion“ Richard Wagners Bühnenweihfestspiel ­„Parsifal“

Jonathan Meese (Foto Mi.) schießt Wagners Oper ins Weltall – Foto Jan Bauer

An Wagner arbeitet sich der Skandal­künstler Jonathan Meese, selbsterklärter Botschafter einer „Diktatur der Kunst“, schon länger ab. Bereits Ende der 90er-Jahre bezog er sich in seinen Performances auf den Komponisten und Kapellmeister und für Frank Castorfs Inszenierung der Wagner-Oper „Meistersinger von Nürnberg“ entwarf er 2006 Kostüme und Bühnenbild.

Eigentlich sollte Meese Richard Wagners Oper „Parsifal“ vergangenes Jahr direkt im Allerheiligsten, auf dem Grünen Hügel der Bayreuther Festspiele, inszenieren. Doch das Leitungsteam lud ihn wieder aus – mit der fadenscheinigen Begründung, dass seine Bühnenentwürfe zu teuer seien.

Statt in Bayreuth kam der Abend im Juni bei den Wiener Festwochen zur Prem­iere. Schon der Titel „Mondparsifal Alpha 1-8 (Erzmutterz der Abwehrz)“ verdeutlicht, dass nur Motive aus Wagners Werk einfließen. Meese, hier Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner in Personalunion, lässt Parzival aus dem Weltall und aus der Zukunft kommen und auf Figuren aus dem popkulturellen Trash-Kosmos und Science-Fiction-Filmen wie „Zardoz“ und „Star Trek“ treffen. Komponist Bernhard Lang hat die Partitur bearbeitet, gekürzt und Loops eingefügt.

Jetzt hat die „Betaversion 9-23“ in Berlin Premiere, ­dirigiert von der australischen Star-Dirigentin Simone Young. RONALD KLEIN

15.10., 18 Uhr, 16. + 18.10., 19 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24, Wilmersdorf. Regie: Jonathan Meese; musikal. Ltg.: Simone Young; mit Tómas Tómasson, Daniel Gloger, Wolfgang Bankl. Eintritt 20–80 €

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