Drama

Moonlight

In dem völlig verdient Oscar-prämierten Drama porträtiert Autor und Regisseur Barry Jenkins eine afroamerikanische Jugend

Zuerst nennt man ihn nur Little. Da ist Chiron um die zehn Jahre alt und wird in der Schule gemobbt. Auf der Flucht vor einer Meute Schüler wird der junge Afroamerikaner von Juan gerettet und mit nach Hause genommen. Juan ist einer der führenden Drogendealer in Liberty City, einer abgefuckten Gegend Miamis, in der nur Schwarze leben. Und Littles Mutter Paula ist cracksüchtig.

Einige Jahre später: Little wird nun wirklich Chiron genannt, aber das Mobbing in der Schule hat nicht aufgehört. Doch er wird bald beweisen müssen, dass er nicht immer das Opfer ist. Zudem zieht es den Pubertierenden zu seinem Kumpel Kevin hin, auch körperlich. Der nächste Zeitsprung um mehrere Jahre: Chiron heißt nun Black und ist kaum wiederzuerkennen: Muskelbepackt und verziert mit Grillz – einer goldenen Zahnspange – ist er zum führenden Drogendealer avanciert. Nun hat er Geld und Einfluss, ist aber im Grunde immer noch der schüchterne Junge. Bis eines Tages Kevin anruft: Der ist mittlerweile Koch in Atlanta. Kurzerhand schwingt sich Black in sein Protzauto und fährt nach Georgia.

Moonlight
Foto: David Bornfried

Schon die acht Oscar-Nominierungen waren eine echte Überraschung. Denn „Moonlight“ dürfte mit den Sehgewohnheiten von vielen Mainstream-Zuschauern brechen. Da ist die dreigeteilte Struktur – Regisseur Barry Jenkins wählt bewusst eine episodenhafte Erzählweise und führt auf diese Weise höchst sensibel das Erwachsenwerden eines Schwarzen in den USA vor. Und da ist die sehr bewegliche Cinemascope-Handkamera von James Laxton, die oft nur Ausschnitte des Geschehens zeigt und so die innere Zerrissenheit der Figuren noch verstärkt.

Der Rassismus ist in dieser Szenerie nur latent vorhanden und manifestiert sich in den Lebensbedingungen der Schwarzen, die in bestimmte Wohngebiete abgedrängt werden und kaum Chancen haben, dem Elend zu entkommen. Barry Jenkins und Tarell Alvin McCraney, von dem die Vorlage, das Theaterstück „In Moonlight Black Boys Look Blue“, stammt, wissen genau, wovon sie erzählen – sie sind beide in Liberty City aufgewachsen.  „Moonlight“ – ein starkes Stück unabhängiges US-amerikanisches Kino – das sah auch die Academy of Motion Pictures and Sciences so – drei Oscars gab es, für das beste adaptierte Drehbuch, für -Mahershala Ali als bester Nebendarsteller, und für den besten Film, mit der jetzt schon legendären Panne bei der Gala.

USA 2016, 112 Min., R: Barry Jenkins, D: Mahershala Ali, Shariff Earp , Naomie Harris, Alex Hibbert, Janelle Monáe

Moonlight (2017)

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