Berlins aufregendste junge Schauspieler

Moritz Gottwald

So faszinierend muss man erst mal herumstehen können: In Ewald Palmetshofers „hamlet ist tot. keine schwerkraft“ an den Kammerspielen des Deutschen Theaters spielte Moritz Gottwald Mani. Ein großes, böses Kind mit hängenden Armen und melancholisch-wachen Augen, das eine Verlorenheit verströmte wie süßlicher Modergeruch. Auch nach den abgründigsten Bemerkungen grinste sein nervöser Mund noch schelmisch und unschuldig.

Dass Gottwald eine große Begabung besitzt, ist auch Thomas Ostermeier aufgefallen – vermutlich schon an der Schule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, wo Gottwald studierte und Ostermeier lehrt. Jedenfalls engagierte er ihn 2011 an seine Schaubühne. Dort fehlen ihm bislang dankbare Inszenierungen. Dennoch ist er oft Lichtblick: In Ivo van Hoves fader „Eduard II.“-Inszenierung flackert in seinem Spencer kurz eine menschliche, individuelle Note auf, im Mayenburg-Schmarrn „Märtyrer“ ringt er seiner unterkomplexen Figur etwas Würde ab, in „Viel Lärm um nichts“ singt er hinreißend. Und sein Titelheld in ­„Romeo und Julia“, vom Kollegen Lars Eidinger zum Popwitz verjuxt, war vielleicht nicht gerade tiefgründig, dafür herrlich zielgruppengerecht verstrahlt. Immerhin: Gottwald ist Jahrgang 1988. Da kann noch viel kommen. Georg Kasch

Alter: 25
Theater: Schaubühne
Paraderolle: Sein spillerig verliebter Claudio in „Viel Lärm um nichts“ (Regie: Marius von Mayenburg)
Auch bekannt durch: Gewinner des „Dead or Alive Poetry Slam“ als Erich Fried
Demnächst zu sehen: in „Ein Volksfeind“, 19.+20.9., 20 Uhr, in „Viel Lärm um nichts“ 21,9., 20 Uhr, Schaubühne