Dokumentarfilm

Muhi

Seit 70 Jahren lässt sich der palästinensisch-israelische Konflikt nicht lösen und vermutlich auch von klugen Filme­machern nicht letztgültig erklären. Was sich aber zeigen lässt, sind die absurden Folgen dieser komplizierten Auseinandersetzung. Für ihren ruhigen Dokumentarfilm folgten Rina Castelnuovo und Tamir Elterman über drei Jahre hinweg dem kleinen Araber Muhi (kurz für Muhammad), der unter einer seltenen Autoimmunkrankheit leidet. Zu Beginn ist Muhi vier Jahre alt und lebt dank der Bemühungen eines israelischen Aktivisten mit seinem Opa in einem Krankenhaus in Tel Aviv. In seiner unterversorgten Heimat Gaza ­hätte der Junge, dem die Unterarme und die ­Unterschenkel amputiert werden mussten, kaum eine Überlebenschance.

Muhi
Muhi Foto: Neue Celluloid Fabrik

Das Schicksal, das Muhi mit unerschütterlichem Lebenswillen bewältigt, ist nur ein Aspekt des sympathischen Films. Ein anderer besteht in der Selbstverständlichkeit, mit der Muhi zwischen zwei ­Welten aufwächst: Er betet zu Allah, spricht Hebrä­isch, singt Lieder über die schöne Heimat Israel. Auch die Erwachsenen der „feindlichen“ Lager können zusammenkommen – wenn sie sich erst einmal kennenlernen. Doch sie sind Gefangene einer kafkaesken Behördenwelt der fehlenden Genehmigungen und weggenommenen Pässe. Am Ende weiß man nicht, wie es weitergehen wird mit Muhi – doch ­dessen Zuversicht macht auch dem Zuschauer Mut. 

D/ISR 2017, 89 Min. R: Rina Castelnuovo & Tamir Elterman, Start: 14.6.

Muhi – Generally Temporary

Facebook Kommentare

[fbcomments]