Kino

Muito Romântico

Ein Film des brasilianischen Künstlerpaars Melissa Dullius und Gustavo Jahn, ein Mix aus Essay-und Experimentalfilm

Experimental-und Kunstfilme gehörten in den 1980er-und 90er Jahren zur inhaltlichen Grundausstattung der Berliner Programmkinos. Inzwischen fristet diese filmische Subkultur im regulären Kinobetrieb leider nur mehr ein kümmerliches Schattendasein.

Muito Romantico
Foto: Arsenal Distribution

Ein paar Kinos sind immerhin noch mutig genug, solchen Filmen eine Chance zu geben. Das hat den durchaus positiven Nebeneffekt, die MacherInnen solcher Filme mal aus ihren Kreuzköllner Kunstblasen, in denen jeder Pups als kreativ beklatscht wird, herauszuholen und ihre Arbeiten einem anderen Publikum zu präsentieren.

„Muito Romântico“, ein Film des brasilianischen Künstlerpaars Melissa Dullius und Gustavo Jahn, ein Mix aus Essay-und Experimentalfilm, ist dafür ein schönes Beispiel. Der Film ist durch und durch subjektiv und autobiografisch geprägt. 2006 kam das Paar nach Berlin, ist hier hängen geblieben und seitdem künstlerisch in den Grenzbereichen zwischen Musik, Film und Performance unterwegs.

In „Muito Romântico
“, ihrem ersten Langfilm nach einigen Kurzfilmen, haben sie Material aus dem eigenen Super-8-Archiv mit Dokumentaraufnahmen aus Berlin verwoben und inszenierte Spiel-und Performance-Szenen hinzugefügt. Entstanden ist eine vielschichtige, ganz persönliche Erzählung ihres eigenen Lebens in Berlin. Zwar wirkt das manchmal etwas prätentiös, etwas zu bemüht „künstlerisch wertvoll“ und auch eine Spur zu brav, aber die experimentellen Passagen sind durchaus gelungen und manche Szenen versprühen einen rauen Underground-Charme.

In solchen Momenten erweisen sich die Filmemacher als Liebhaber des Analogfilms. Ihre gar nicht so alten Aufnahmen von Berlins Brachen und Baustellen wirken deshalb wunderbar zeitlos und Lichtjahre entfernt zugleich, und lassen einen sentimental werden.

Muito Romântico
 Deutschland 2017, 72 Min., R: Melissa Dullius, Gustavo Jahn

Muito romantico

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