Kino

Nach dem Urteil

Szenen einer gescheiterten Ehe: das verhärtete Äußere von Mutter Miriam. Die bedrohlichen Blicke ihres Mannes Antoine. Begleitet von Anwältinnen haben sich die Streithähne vor einer Familienrichterin eingefunden. Zwei Kinder haben die Bessons, die bald volljährige Joséphine und den elfjährigen Julien. Mit beiden ist Miriam bei den Großeltern untergeschlüpft; ihrem Mann wirft sie schlimme Dinge vor. So soll er Joséphine geschlagen haben. Dennoch wird Antoine das Recht zugesprochen, Julien alle zwei Wochen zu sehen.

Foto: KG Productions/Weltkino

Juliens Widerwillen und sein Misstrauen dem Vater gegenüber: All das transportiert Nachwuchsdarsteller Thomas Gioria mit wenigen eindrücklichen Gesten. Während sich Trennungsdramen gern auf die Kernfamilie konzentrieren, wird hier auch die Rolle thematisiert, die Großeltern bei einer Scheidung spielen. Bei dem in Venedig 2017 mit dem Regiepreis prämierten Drama handelt es sich um das Langfilmdebüt des französischen Schauspielers Xavier Legrand. Mit seiner so sparsamen wie zugleich effektiven, auf flankierende Musik verzichtenden Inszenierung erinnert Legrand an Michael Haneke. Matthias von Viereck

Jusqu’à la garde (OT) F 2017, 94 Min., R: Xavier Legrand, D: Léa Drucker, Denis Ménochet, Thomas Gioria, Mathilde Auneveux, Start: 23.8.

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