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Nachlass

Ulrich Gantz erkennt seinen Vater auf dem Umschlag eines Buches über „Karrieren der Gewalt“ – in direkter Umgebung von Heinrich Himmler, dem Reichsführer der SS im nationalsozialistischen Machtapparat: Gantz‘ Vater war an den deutschen Verbrechen beteiligt. Was macht das mit einem Sohn?

Nachlass
Foto: Film Kino Text

Christoph Hübner und Gabriele Voss ­beschäftigen sich in ihrem Dokumentarfilm „Nachlass“ mit der Vererbung von Geschichte. Bald werden auch die allerletzten Täter und Überlebenden aus dieser Zeit gestorben sein, und die Kinder der ­damaligen Generation sind im Rentenalter. Das heißt aber keineswegs, dass die Vergangenheit bewältigt ist. Jeder Mensch lebt mit „Aufträgen“ von den Eltern, die ein- oder aufzulösen eine Lebensaufgabe darstellt. In Deutschland gibt es darüber hinaus aber auch einen gesellschaftlichen Auftrag. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse bekommt der Film „Nachlass“ eine besondere Dringlichkeit: Denn man sieht ein Land, das viel gelernt hat. Diese Lernerfolge stehen immer wieder auf dem Spiel. Man erkennt auch markante Punkte in der Generationenspannung: 1968 ist inzwischen 50 Jahre her. Die Generation von 1968 näherte sich ihrem Nachlass kämpferisch und häufig aggressiv. Die Generation, die Christoph Hübner und Gabriele Voss zeigen, geht mit ihren Nachlässen nachdenklich um. Dieser Nachdenklichkeit gibt der Film eine exzellente Form.

D 2017, 108 Min., R: Christoph Hübner, Gabriele Voss, Start: 27.9.

Infos und Termine:

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