Punk

Nadia Tehran

Punk – Nadia Tehran. Wütend, schroff, schrill und dennoch extrem tanzbar: Eine Newcomerin aus Schweden macht M.I.A. ernsthafte Konkurrenz: Nadia Tehran. Diese Frau ist ein Ereignis. Sie klingt, wie Sleaford Mods klingen würden, wären sie keine zwei Typen aus Nottingham – sondern ein Mädchen aus Isfahan.

In Flow, Thematik und Stimme wird sie auch gerne mit M.I.A. verglichen, geht aber ein weit größeres Risiko ein als ihr ästhetisches Vorbild. Diese Frau ist Punk, der sich was traut. Für das Video zu „Refugee“ reiste Tehran aus Schweden, wo sie aufgewachsen ist, in die alte Heimat ihrer Eltern. Im Iran drehte sie ein illegales Video, das es in sich hat. Schnelle Schnitte, Handkamera, orientalische Klänge und der verfremdete Ruf des Muezzin. Dazu ausgespuckte und einschmeichelnde Texte, in denen sie den protestantischen Fremdenhass daheim ebenso frontal angreift wie die Bigotterie der Elite in Persien. Im Dickicht der Zeichen, zwischen Schleier und Hüftschwung, ist Tehran eine kulturelle Guerillera, wie es sie im Pop nur noch selten gibt.

Nicht nur zeigt sie hergebrachten Konzepten von Zugehörigkeit den Mittelfinger, sie springt mühelos von Genre zu Genre. Mal rappt Tehran im Stakkato, mal intoniert sie traditionell. Mal erinnert die Instrumentierung an die dystopischen Klangräume einer Fatima Al Qadiri (der kuwaitischen Sängerin aus dem Senegal), mal an einen iranischen DJ Shadow auf Opium. Trotz aller Komplexität schüttelt sie dabei Hymnen aus dem Ärmel, die zum Mittanzen zwingen. Und, nebenbei, auch zum Mitdenken. Diese Frau wird groß.

Kommentiere diesen beitrag