Museen

Natur sucht Kunst

Hörspiel im Sauriersaal: Das Museum für Naturkunde zeigt in seiner Reihe „Kunst/Natur‟ neue Arbeiten von Fernando Bryce und dem Duo Serotonin

Kunst/Natur: Fernando Bryce, (c) Carola Radke, MfN 2016
Kunst/Natur: Fernando Bryce, (c) Carola Radke, MfN 2016

Der erste Kasten steht gleich in der Saurierhalle. Mit ihm beginnt der „Parcours durch das Himmelsmeer“, ein historisch angelehntes Hörspiel in fünf Stationen des Künstlerduos Serotonin über eine Expedition. Es ist Teil der zweiten Runde von „Kunst/Natur“ mit Interventionen im Naturkundemuseum. In dieser Runde dabei sind auch Serien mit Tuschezeichnungen und Siebdrucken von Fernando Bryce (Foto). Der Berliner Künstler thematisiert naturkund­liche Forschung und museale Ordnungssysteme.
Gemeinsam mit externen Kuratoren habe das Museumsteam die Künstler ausgewählt, sagt Projektleiterin Anita Hermannstädter. Diese konnten dann frei entscheiden, wie sie sich dem Museum und seinen Sammlungen nähern wollten. Voraussetzung für ihre Teilnahme war die konkrete Auseinandersetzung mit dem Haus, und das ist ein wenig auch das Problem der Reihe: Zu spektakulär sind die regulären Exponate des ­Museums, als dass es künstlerische Beiträge so einfach mit ihnen aufnehmen könnten. Neben den Skeletten von T. Rex und Co. ­gehen die feinen Zeichnungen und das Hörspiel fast unter.

Fast ein Trend

Dabei hat die Idee, das Museum für Kunst zu öffnen, durchaus Reiz. „Einerseits wollen wir Zielgruppen ansprechen, die wir bisher noch nicht in größerem Umfang erreicht haben“, sagt Generaldirektor Johannes ­Vogel. Andererseits hätten alle ihre eigene Sicht auf das Museum, „wissenschaftlich, historisch und eben auch kulturell. Kunst kann uns hier neue Perspektiven aufzeigen.“ Sich selbst schließe er da mit ein: In den aktuellen Interventionen werde der Blick von Naturkundlern auf die Welt herausgefordert, sagt Vogel. Vor den Beiträgen denke er oft über seine Arbeit nach.

„Kunst/Natur“ ist längst nicht das einzige Projekt dieser Art. Im Medizinhistorischen Museum der Charité finden solche Interventionen regelmäßig als Wechselausstellungen statt. Ein weiteres Beispiel gab das Ethnologische Museum in Dahlem 2014. Zur 8. Berlin Biennale unter Leitung von Juan Gaitán wurde es zum Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst. Direktorin Viola König erinnert sich, sie sei damals neugierig gewesen, ob Gaitáns Konzept aufgehen würde, und dass sie sich höhere Besucherzahlen erhofft habe. Letzteres trat tatsächlich ein.

Auch Anita Hermannstädter zieht nach dem ersten Jahr „Kunst/Natur“ eine positive Bilanz. In Befragungen habe die Mehrheit der Besucher  Interesse geäußert. Gerade internationale Gäste schätzten das Konzept. Das Berliner Kunstpublikum komme dagegen vor allem zu den Sonderveranstaltungen. Ab September hat es dazu wieder die Möglichkeit: bei Talks mit Künstlern und Wissenschaftlern.

Bis 16.10.: Museum für Naturkunde, Invalidenstr. 43, Mitte, Di–Fr 9.30–18, Sa/So 10–18 Uhr, Eintritt 8/erm. 5 €, Gesprächsprogramm: kunst.mfn-berlin.de

Kommentiere diesen beitrag