Bezirksmuseum

Neu in Kreuzberg: Natalie Bayer

Noch hat es sich nicht richtig herumgesprochen, aber das FHXB-Museum in Kreuzberg hat mit Natalie Bayer
eine neue Leiterin

Das FHXB-Museum versteckt sich hinter einem Spielplatz an der Adalbertstraße, ganz nah am Kottbusser Tor. Der Glasbau an dem Backsteingebäude ist nicht sofort als Bezirksmuseum zu erkennen: Unprätentiös und unscheinbar wirkt der Eingang. Anfang 2018 gab es hier einen personellen Wechsel an der Spitze: „Mit Natalie Bayer haben wir für unser Museum eine Migrationsforscherin als Leiterin gewinnen können“, begründet das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg die Wahl der neuen Direktorin. „Ihr Vorhaben, das Museum als antirassistischen und antidiskriminierenden Ort voranzubringen, ist uns sehr wichtig.“

© Ellen Röhner/ FHXB Museum
Pforte zum Museum FHXB-Museum am Kottbusser Tor © Ellen Röhner/ FHXB Museum

Natalie Bayer hat einen festen Händedruck und spricht mit bestimmter Stimme. Auf die Bemerkung, dass die Lage des Museums nicht vorteilhaft sein könne, hat die 1976 in München geborene Kuratorin gleich eine kleine Anekdote parat. Ihr sei es beim ersten Besuch vor acht Jahren wie den meisten Menschen gegangen: Sie sei schlicht an dem Gebäude vorbeigelaufen und hätte weiter gesucht, sich sogar auf den Spielplatz gesetzt und eine Bekanntschaft geschlossen. Die äußere Gestalt des Museums sieht sie als eine Gelegenheit: „Das Haus wirkt nicht abschreckend, sondern wie eine Community-Einrichtung“, sagt Bayer. „Es wirkt dadurch auch für Menschen einladend, die nicht aus bürgerlichen und wohlhabenden Kreisen kommen und für die die sozialen Barrieren großer Kulturinstitutionen sehr präsent sind. Diese Stadt besteht auch aus diesen Menschen, daher möchten wir sie mit unserem Museumsprogramm mit ansprechen.“

Nicht nur das. Bayer will Bürger stärker an den Ausstellungen beteiligen, ähnlich wie in der Reihe „Ortsgespräche“. Die Besucher laufen in der dritten Etage des Museums über einen Fußboden, auf dem ein Stadtplan des Bezirks verzeichnet ist, und können an mit Nummern gekennzeichneten Stellen Geschichten und Erinnerungen von Personen aus der Nachbarschaft hören.

© Stephanie Maier/ Natalie Bayer
Natalie Bayer aus München: die neue Leiterin des Museums FHXB-Museum © Stephanie Maier/ Natalie Bayer

Bayer will sich darauf konzentrieren, wie ein Museum der Migration gerecht werden kann. Sie nennt das „Kuratieren als antirassistische Praxis“. Ihr eigener Migrationshintergrund sei dabei Nebensache, vielmehr interessiere sie die „Geschichte der vermeintlich Machtlosen“. Kulturwissenschaftliche Studien würden zeigen, wie sich die Elite selbst erhalte, sagt sie. Deshalb freut sie sich über den Aktivismus von Nachbarschaftsinitiativen in Kreuzberg und Friedrichshain, die sich gegen Verdrängung wehren. Früher sei sie als freie Kuratorin bei Diskussionen mit Museumsleitungen über das Thema Migration häufig abgewürgt worden, – „das hat nichts mit uns zu tun“, habe sie oft als Antwort erhalten.

Eine Ausnahme bildete das Stadtmuseum München, an dem Bayer an einem Zeitzeugen-Projekt zu Migration gearbeitet hat. „Über Natalie Bayer kann ich eigentlich nur ein Loblied singen“, sagt Leiterin Isabella Fehle, „Frau Bayer war die zentrale Figur in dem Projekt ‚Migration bewegt die Stadt‘. Durch ihre Erfahrungen als Migrationsforscherin haben wir von der Politik den Auftrag erhalten, zusammen mit dem Stadtarchiv die Migrationsgeschichte der Stadt zu bearbeiten. Sie hat dem Haus dadurch wesentliche Impulse gegeben.“

Jetzt hat Bayer das Programm eines ganzen Museums in der Hand, das auch die Fontane-Apotheke im Bethanien unterhält und im Bezirk das Stolpersteinprojekt pflegt. Gleich nach dem Gespräch mit ZITTY, das Haus hat bereits geschlossen, trifft Bayer die Gründer der „Kreuzberger Chronik“: Die aktuelle Ausstellung ist dem Kiez-Heft gewidmet, es zeigt unter anderem Porträtaufnahmen von Kreuzberger Persönlichkeiten. Es sei nicht ganz leicht, sich in die bereits laufenden Projekte einzubringen, sagt Natalie Bayer. Doch im nächstem Jahr geht es dann richtig los mit ihren eigenen Ideen für Ausstellungen: Im Mittelpunkt soll dann Friedrichshain
stehen. 

FHXB-Museum, Adalbertstr. 95a, Kreuzberg, Di–Fr 12–18, Sa/So 10–18 Uhr, Eintritt frei