MUSICAL

Stella – Das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm

Überleben durch Verrat? Peter Lund erzählt das Leben einer jüdischen ­Gestapo-Kollaborateurin 

ZITTY-Bewertung 6/6
ZITTY-Bewertung 6/6

Im März 1943 versteckten sich in Berlin etwa 5.000 Juden vor der Deportation. Die Gestapo rekrutierte jüdische Fahnder, um diese „Illegalen” aufzuspüren. Stella Goldschlag gehörte zu den effektivsten „Greifern“, wie der „jüdische Fahndungsdienst” von den Untergetauchten genannt ­wurde. Ihr Leben hat nun ­Peter Lund in „Stella – Das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm“ zu einem „deutschen Singspiel“ verarbeitet, den passenden Sound­track komponierte Wolfgang Böhmer.

Überleben um jeden Preis: Frederike Haas als Stella – Foto: Matthias Heyde
Überleben um jeden Preis: Frederike Haas als Stella – Foto: Matthias Heyde

Dass es nicht um Anklage und Verurteilung dieser Gestapo-Kollaborateure geht, machen Lund und sein Regisseur Martin G. Berger deutlich. Die großartige Frederike Haas als Stella wendet sich direkt ans Publikum und fragt: „Wie weit würden Sie denn gehen, um sich selbst und ihre Familie zu retten?“ Ein beklemmender Augenblick. Ja, was würden wir Nachgeborenen in vergleichbarer Situation tun, um zu überleben?

Collageartig wird Stellas Leben entfaltet – von der behüteten Kindheit über ihren Ehrgeiz, Jazzsängerin zu werden, ihre Skrupellosigkeit als „Greiferin“, die Verurteilung zu zehn Jahren Lagerhaft durch ein sowjetisches Gericht  bis zum Freitod 1994. Dem Regisseur und seinen wunderbaren Sängerdarsteller gelingt es, die Komplexität der ­Figuren und ihrer Motive beeindruckend vorzuführen. HERMANN-JOSEF FOHSEL

8., 9., 14. – 17.7., 20 Uhr, Neuköllner Oper, Karl-Marx-Straße 131-133, Neukölln. Regie: Martin G. Berger; musikal. Ltg.: Hans-Peter Kirchberg; mit Frederike Haas, Jörn-Felix Alt, Victor Petitjean. Eintritt 16-25, erm. 9 €