Programmatik

Gruijthuijsens Neustart der Kunst-Werke

In den Kunst-Werken ist die erste Ausstellungsreihe des neuen Direktors komplett: Sie soll Kommunikation fördern, doch das hat nicht geklappt

Mit „As you said“ von Paul Elliman ist jetzt die Ausstellungs-Trilogie vollständig, mit der Krist Gruijthuijsen, der neue Leiter der Kunst-Werke, im Januar sein Programm gestartet hat. Ausgangspunkt für die Serie ist das Werk von Ian Wilson, einem Veteran der Konzeptkunst, das sich um sprachliche Kommunikation dreht. Darauf reagieren zwei jüngere Künstler und eine Künstlerin mit je eigenen Präsentationen.

Bilder

Den Anfang machte Hanne Lippard. Die Berliner Künstlerin installierte einen über eine Wendeltreppe zu erreichenden minimalistischen Raum, der an einen Wellnessbereich denken lässt (Foto oben rechts). Darin sind mit süß­licher Stimme vorgetragene Sätze zu hören, die sich durch den „poetischen“ Verzicht auf einen zusammenhängenden Sinn auszeichnen sollen. Es folgte Adam Pendleton aus New York. Er zog in einen Saal eine Wand ein, auf der er eine hübsch anzuschauende schwarzweiße ­Tapete aufzog. Sie zeigt eine Textbild-Collage zur Funktion von Archiv und Bilderflut, die vom Künstler „Black Dada“ genannt wird, anders als das historische Dada aber kultiviert und gestylt daherkommt.

Nun schließt Elliman die Trilogie ab. Auch sein Beitrag zeichnet sich durch ein Kunstwollen aus, dem formale Qualitäten über­ ­alles geht. Das Werk des Künstlers aus London dreht sich nicht um die alltägliche Kommunikation, sondern um eine artifizielle Sprache, die sich im Dreieck von Objektsprache, Innerer Sprache und Sprachverweigerung ereignet.

Steine von Londoner Riots

Da ist beispielsweise das Video „Body ­Alive with ­Signals“ (2009/2017). Es zeigt die Tänzerin Elena Gianotti, die minimalistisch tanzend auf ihre eigenen Körpersignale reagiert. Oder die Installation „The London Stone“ (2011), für die Elliman Steine gesammelt hat: Sie dienten während der London Riots 2011 als Wurfgeschosse. ­Elliman hat sie in Reih und Glied auf den Boden gelegt, sodass in dieser clea­nen Anordnung nichts mehr sichtbar ist von ihrem vorherigen aggressiven Charakter. Typisch: Elli­mans Kunst­wille bringt eine Form hervor, die in sich selbst schlüssig ist, mehr aber nicht.

Noch deutlicher wird das in seinen Arbeiten, in denen er Schlafsäcke und Transportdecken zu Skulpturen zusammenfügt. Sie sollen das Verhältnis von Körper und Objekt ebenso thematisieren wie Verweigerung von Sprache. Aber: Diese Skulpturen erinnern von fern an Schlafstätten von Obdachlosen. „Refuge-wear“ nennt sie der Künstler.Sie reflektieren die desaströsen Situationen Geflüchteter jedoch in keinster Weise. So zeigt sich, wie gleichgültig, ja zynisch sich der Künstler gegenüber außerkünstlerischer Realität verhält.

Schlafsack als Nagelprobe

Schlafsäcke spielten schon einmal eine Rolle an diesem Ort, und zwar im Rahmen der 7. Berlin Biennale 2012. In solchen campierte die Artivistengruppe­ ­Occupy ­Museums in den Kunst-Werken und suchte täglich, ganz im Sinne Ian Wilsons, das Gespräch mit dem Publikum. Wehmütig erinnert man sich heute an diese Aktionen, stellten sie doch eine kritische Verbindung zum „richtigen Leben“ her – statt wie derzeit in den Kunst-Werken neu angesagte, neoliberale Vorstellungen von einer formalistischen l’art pour l͗art zu bedienen.

Bis 1.4.: Hanne Lippard
Bis 14.5.: Ian Wilson, Adam Pendleton, Paul Elliman.
KW, Auguststr. 69, Mitte, Mi–Mo 11–19, Do 11–21 Uhr, 8/ erm. 6 €, Eintritt frei: Do 18–21 Uhr & 1. So/Monat

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