Ausstellung

Nguyen Thi Thanh Mai

Eine Lektion in Dating-Chats

Selten haben die Präsentationen von Stipendiaten des Künstlerhauses ­Bethanien so gut zusammengepasst wie in dieser ­Runde, in der Künstler aus Asien, Aus­tralien und Europa Arbeiten zu Kontrolle, Freiheit, Identität und Konstruktion zeigen. Sehr verspielt finden diese Themen im Beitrag von Nguyen Thi Thanh Mai zusammen, ohne ihren Ernst einzubüßen.
Die Künstlerin aus Hanoi hat ­Passanten angesprochen, nach Hause begleitet, in deren Wohnung ihr passend erscheinende Kleidung angezogen und sich ­darin ­fotografiert. Diese Aufnahmen zeigt sie in kleinen gerahmten Fotos, zu denen Notizbücher gehören. In ihnen hat sie englische und vietnamesische Vokabeln aufgeschrieben, die sie während ihres Berlinaufenthalts benötigt. Thi Thanh Mais Arbeit handelt von den Risiken und Chancen des interkontinentalen Austauschs, von kulturellen Differenzen, aber auch der Möglichkeit, am fremden Ort in neue Rollen zu schlüpfen. Besonders frappant zeigen sich die interkulturellen Verwicklungen in den Berliner Dating-Chats der Künstlerin, für die sie eine Lese-Ecke mit Tablet eingerichtet hat. In den Konversationsspielen um Annäherung und Zurückzucken prallen mitteleuropäische Direktheit und südostasiatische Zurückhaltung aufeinander und zeitigen Missverständnisse. Was sehr berührt.
Bis 27.3.: Künstlerhaus Bethanien, Kottbusser Str. 10, Kreuzberg, Di–So 14–19 Uhr, Eintritt frei

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