Kunst

Ngyuen Trinh Thi

Die Filmkünstlerin aus Hanoi zeigt in der DAAD-Galerie einen glänzenden Essay über das Erbe der Cham

Das ist hohe Kunst. Ngyuen Trinh Thi, Künstlerin und DAAD-Stipendiatin 2015, verwebt in nur 30 Minuten gleich drei Themen zu einer poetischen Erzählung. Den Hintergrund ihres Films „Letters from Panduranga“ in der DAAD-­Galerie bildet die bedrohte Kultur der Cham in Mittelviet­nam. Im Vordergrund stehen die Reisen zweier fiktiver Künstler auf der Suche nach dem Erbe der Cham in „Panduranga“, wie deren ehemaliges Königreich hieß. Diese Suche führt in heutige Dörfer der muslimischen Bevölkerungsgruppe ebenso wie ins Cham-Museum von Da Nang sowie zu Zeugnissen der Kolonialzeit und des Vietnamkriegs, als Teile der Cham mit Frankreich und den USA kollaborierten. Und nicht zuletzt geht es um das Scheitern am Thema, das sich die beiden Künstler eingestehen müssen.
Nguyen Trinh Thi verdichtet die Erzählungen mittels Reisebildern, Voiceover, Split-screen, O-Tönen und Archiv­aufnahmen zu einem eleganten Essay, dessen Thesen absichtsvoll versanden. Und das Video­kabinett hat sie mit Sitzsäcken austatten lassen. So steht einem mehrmaligen bequemen Ansehen der „Letters from Panduranga‟ buchstäblich nichts im Wege. Eine Dia-Installation und Farbfotos ergänzen die Schau. Sie wären nicht wirklich nötig gewesen, setzen jedoch hinter die offene Erzählung einen präzisen Punkt.
Bis 19.3.: DAAD-Galerie, Zimmerstr. 90/91, Mitte, Mo–Sa 11–18 Uhr