Thriller

Nocturama

Der französische Thriller im Arthouse-Gewand löst Terrorismus vom üblichen politischen Kontext

ZITTY-Bewertung: 3/6

Bombenexplosionen, Terror und ­Revolte in Paris – dazu haben wir alle ähnliche Bilder im Kopf. Von denen sich der französische Regisseur Bertrand Bonello hier gänzlich befreit: Seine „Terroristen“ sind Anfang 20, verschiedener sozialer und ethnischer Herkunft, ihre Motivation ist vage, und die Anschlagsziele könnten ­genauso gut von links wie von rechts ins Visier genommen werden. In „Noctu­rama“ ist der Terror aus einem politischen oder sozialen Kontext gelöst, eher dient er als Auslöser eines filmischen Experiments um Dynamik, Stillstand und das Aufbrechen von Genrekonventionen.

Nocturama
Foto: Carole Bethuel

Denn im ersten Teil geht es vor ­allem um Bewegung: die Gänge und ­Metrofahrten der Protagonisten durch den realen ­Lebensraum Stadt. Ein zweiter Teil spielt in einem nächtlichen Luxuskaufhaus, dem Rückzugsort der Gruppe nach den Anschlägen. Nun gibt es nichts mehr zu tun, es herrscht Langeweile, die künst­liche Konsumwelt lockt. In einem ­dritten Teil schaltet der Staat die „Terroristen“ aus, gnadenlos und präzise. Macht das Sinn? Wenn man den Anschlag als sinn­entleerten Terrorakt auf eine ebenso sinn­entleerte Gesellschaft interpretiert, vielleicht. Macht es auch Vergnügen? Nicht so richtig, weil ein Film über ­Langeweile und vage Frustration eben oft auch schnell frustrierend langweilig und vage wirkt. 

F 2016, 130 Min., R: Bertrand Bonello,  D: Finnegan Oldfield, Vincent Rottiers, Hamza Meziani

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