OPERN-URAUFFÜHRUNG

Oceane

Die Uraufführung des Auftragswerks der Deutschen Oper zum Fontane-­Jahr 2019 gerät zum Ereignis

Zwischen Gesellschaftssatire und Melusinen-Mythos: Marie Bengtsson, Albert Pesendorfer (Bildmitte) – Foto: Bernd Uhlig

Seine Werke wurden verfilmt, am Sprech­theater inszeniert, zu Popsongs vertont – nur die Opernbühne machte bislang einen Bogen um Theodor Fontane. Doch pünktlich zum Fontane-Jahr füllt die Deutsche Oper die Lücke und bringt sein nachgelassenes Fragment ­„Oceane von Parceval“ als Auftragswerk auf die Bühne.

Der vielfach ausgezeichnete Romancier und Germanist Hans-Ulrich Treichel verfasste das Libretto, das von Detlev Glanert kongenial vertont wurde. Das Motiv der Wasserfrau hat Autoren von der Antike bis zu Ingeborg Bachmann fasziniert. Auch Fontane geriet in den „Bann der Melusine“, aber seine Übertragung des Mythos ins Preußentum des 19. Jahrhunderts blieb als Novelle unvollendet. Das haben nun Treichel und Glanert bestens korrigiert.

Ort der Handlung ist ein Hotel an der Ostsee, das ein paar junge adlige ­Sommergäste um die schöne, aber etwas seltsame Oceane von Parceval beherbergt. In der zwischen Gesellschaftssatire und Melusinen-­Mythos schwankenden, bildstarken Inszenierung Robert Carsens verkörpert die Sopranistin ­Maria Bengtsson aufs Vortrefflichste die „fremde Frau vom Meer“, die lieben will, aber nicht kann.

Glanerts rauschhafte, an Richard Strauss und Schostakowitsch erinnernde Musik ist bei Donald Runnicles in den richtigen Händen. Ein wundervoller Abend. HERMANN-JOSEF FOHSEL


15. + 17.5., 19.30 Uhr, Deutsche Oper, Bis­marck­­str. 35, Charlottenburg. Regie: Robert Carsen; musikal. Ltg.: Donald Runnicles; mit Marie Bengts­son, Nikolai Schukoff, Doris Soffel, Stephen Bronk u.a., Eintritt 22–98 €