UraufführunG

Oder: Du verdienst Deinen Krieg

Suggestives Bilderkaleidoskop – Sivan Ben Yishais Stück geht im Gorki Studio in zu vielen Inszenierungsideen unter

Krieg im Frieden: Catherine Stoyan, Elena Schmidt, Kenda Hmeidan, Abak Safaei-Rad – Foto: Ute Langkafel / Maifoto

„Die Augen sind knochenweiß wie der Mond“ – solche Alptraumbilder hält das neue Stück von Sivan Ben Yishai bereit, wunderbar übersetzt von Maren Kames. Acht Soldatinnen (hier vier) in ihrem Militärzelt, das sich bläht wie eine Lungenmaschine, während in ihren Albträumen Todesarten aufscheinen. Vergewaltigung, Schießplatzunfall, Todesstrafe wegen Regel­verstoß. Und weil das noch nicht reicht, dringt eine vergangene Szene in den inneren Horrorstreifen der Gruppe ein: Zwei kleine Schwestern fahren mit den Eltern über Land. Papa kennt den Weg, Papa kennt die Songs im Radio, Papa lässt die Schwerverwundete nicht rein, die ans Fenster klopft.

Gegen den surrealen Kriegszustand entwirft Yishai das Kollektiv junger Frauen als solidarische Gegenwelt, dysfunktional als Kriegerinnen. Sinnliche Frauen vs. gewalttätige Männer, die Ungleichung mag etwas flach sein, der Text aber ist meisterhaft komponiert. Aber statt seinen poetischen Spiralen Raum zu geben, setzt Sasha Mari­anna Salzmanns Inszenierung auf ­verfremdende Spielweisen und akustische Effekte.

Das Potential des hochengagierten Ensembles wird kaum ausgeschöpft. Wenn die Körper der Akteurinnen immer wieder im Kugelhagel zucken, ist das ein drastisches Bild, wird aber dem Ton des Textes nicht gerecht. Sein unterschwelliger Grusel wird im Trubel der Inszenierung platt gemacht. ANNA OPEL

26.–28.11., 2.–3.12., 20.30 Uhr, Maxim Gorki Theater – Studio Я, Hinter dem Gießhaus 2, Mitte. Regie: Sasha Marianna Salzmann; mit Kenda Hmeidan, Abak Safei-Raf, Elena Schmidt, Chatherine Stoyan. Eintritt 16, erm. 8 €