Kino

Once Upon a Time … in Hollywood

2003: Premiere von „Kill Bill I“ in Berlin. Beim Vorspann ruft Quentin Tarantino: „This screening is dedicated to the great direc­tor Alfred Vohrer!” Dass er sich auf den deutschen Regisseur vieler Edgar-­Wallace-Filme bezieht, beweist eindrücklich: Taran­tino ist ein Filmnerd ersten Ranges, das merkt man allen Werken des Ex-Videothekars an. Seit „Reservoir Dogs“ sind die ­Filme des Mannes aus L.A. nur mit einem gewissen Maß an Filmwissen zu begreifen; er spielt mit Genrekonventionen, lässt oft eine Metaebene mitschwingen, in Gangsterfilmen wie „Pulp Fiction“, in Western wie „Django Unchained“, in Kriegsfilmen wie „Inglourious Basterds“.

Von daher überrascht es beinahe, dass sich Tarantino erst jetzt mit Hollywood, dem eigentlichen Objekt seiner Begierde, beschäftigt. Und das Handlungsjahr 1969 ist klug gewählt: Das alte Studiosystem hat ausgedient, das New Hollywood mit Sam Peckinpah oder John Carpenter ist erst im Entstehen, und die große Zeit von ­Scorsese, Spielberg und Lucas noch weit weg. In ­dieses schöpferische Vakuum ist auch Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) gefallen, ein Ex-Serienheld, der sich nun mit doofen Schurkenrollen über Wasser hält. Stets an Daltons Seite: Cliff Booth (Brad Pitt), Stuntman, Mädchen für alles – und Daltons einziger Freund, was der nie zugeben würde.

Hi, Al! – Treffen der Weltstars: Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Al Pacino (v. li.)
Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Mit diesen von Pitt und DiCaprio großartig gespielten Antihelden mäandert ­Tarantino nun durch eine angeranzte Traumfabrik und verquickt dieses Szenario mit der ­Geschichte um die legendäre Ermordung Sharon Tates (Margot Robbie) durch die Hippiekiller rund um Charles Manson.

Die Stilmittel: bunt wie gehabt – Rückblenden, Erzählerstimme, flotter ­Soundtrack, liebevoll detailliertes Setting mit vielen ­Anspielungen. Man sollte sich also von ­diesem Fluss der Eindrücke mitschwemmen lassen, dann stört es nicht so sehr, dass sich Tarantino selbst mitunter dramaturgisch in seiner Welt zu verlieren droht und wiederholt prägnante Szenen als ­Haltegriffe integriert – wie jene, in der sich Cliff Booth mit Bruce Lee prügelt. Kino, geboren aus der Kraft des Kinos.

USA 2019, 160 Min., R: Quentin Tarantino. D: Brad Pitt, Leonardo DiCaprio, Margot Robbie, Al Pacino, Bruce Dern, Start: 15.8.