An wärmenden Feuern

Open-Air-Grills

Der Sommer ist zu kurz, um schlechtes Grillgut zu essen – ein Besuch bei Berlins besten Open-Air-Grills

Sage Beach

Das Sage-Restaurant liegt in einer politisch heiß umkämpften Zone. „Spreeufer für alle“ – prangt unübersehbar in weißer Schrift auf blauem Hintergrund auf der Kaimauer gegenüber. Da fragt man sich schon, ob man als an sich politisch korrekter Mensch und Gast eines gehobenen Restaurants hier nun sitzen darf oder nicht. Das Spreeufer, so viel steht fest, ist mit seinen vielen unbebauten Flächen ein besonderer Ort in Berlin.

Diese Besonderheit zeigt sich auch im Sage-Restaurant, das zwar hoch professionell organisiert, aber gleichzeitig locker und kumpelhaft daherkommt. Junges Personal, elektronische Musik und selbst gebaute Strandhütten bewahren den Reiz des Improvisierten. In der Küche zeigt sich die wahre Professionalität, beziehungsweise am Grill. Denn der kanadische BBQ-Chef versteht es, dem Fleisch fantastische Röst-Aromen zu entlocken, ohne es zu verbrennen. Das Bio-Kotelett vom Havelländer Apfelschwein (6,50 Euro) ist köstlich saftig und hat trotzdem den typischen Grillgeschmack. Sehr zu empfehlen sind auch die Spare-Rips (8 Euro), die im Smoker gegart werden und mit der selbst gemachten Marinade würzig scharf und gleichzeitig süß schmecken. Je nach Angebot erweitert sich die Karte um Wildfleisch oder Garnelen. Als Beilagen gibt es die üblichen Verdächtigen: Ofenkartoffel, Cole-Slaw und Salat. Bodenständig, aber von guter Qualität.
Wer will, kann hier aber auch nur eine Biolimo oder ein Bier trinken und im Liegestuhl entspannen. Der Sage-Strand ist nämlich für alle da.     Martin Hildebrandt

Weitere Informationen: Köpenicker Str. 18-20, Kreuzberg, Tel. 755 49 40 71, bei gutem Wetter tägl. ab 15 Uhr, www.sageclub.de

 

Ressort

Unterm offenen Vordach zu sitzen und auf die Spree zu gucken, wäre sogar bei Regen schön. Beziehungsweise romantisch. Das Ressort-Gelände hinterm Hamburger Bahnhof ist bei anhaltender Feuchtigkeit aber leider geschlossen und so ist Küchenchef Falko von Hüne heilfroh, wenn in diesem durchwachsenen Sommer die Kohlen glühen und er wieder am Feuer stehen darf. Auf dem Rost liegen marinierte Flanksteaks, das sind typisch amerikanische Rindersteaks aus dem unteren Rückenlappen, die erst durch das Einlegen zart werden. Das Fleisch, das in Deutschland eher selten auf dem Grill landet, wird mit Kartoffelstampf und Pimentos für 23 Euro serviert. Die Fleischqualität sei das Wichtigste, sagt Hüne. Das gilt auch bei den anderen Steaks, die in Kombination mit Hummer und gegrillten Wassermelonen als „Surf & Turf“ angeboten werden. 34 Euro sind durchaus ein stolzer Preis, aber qualitativ aller Ehren wert. Wer es nicht ganz so Country-Club-mäßig mag, dem seien die französischen Merguez empfohlen, die mit Couscous serviert werden (13 Euro).
Dazu passt einer der sehr guten deutschen Weine oder die von der Wirkung durchaus herausfordernden Cocktails, wie zum Beispiel der Watermelonman (9 Euro). Damit – und mit etwas Romantik unterm Vordach – kommt man auch prima durch verregnete Sommer.     Michael Pöppl

Weitere Informationen: Invalidenstr. 50/51, Mitte, tägl. ab 18 Uhr, Tel. 0170-389 04 45, www.ressort-berlin.de

 

Bürgergarten am Müggelsee

Hier ist der Urbanhafen Köpenicks: In enger, aber nicht beengter Nachbarschaft liegen Menschen entspannt auf der sanft abfallenden Uferwiese, ihr Blick schweift über das Wasser, ab und zu fährt ein Schiff vorbei, aber niemand fühlt sich genötigt zu winken. Die Sonne scheint und alles ist gut. Der einzige Unterschied zu seinem Kreuzberger Pendant ist, dass im Bürgergarten am Müggelsee kein Sterni aus der Flasche, sondern frischgezapftes Bürgerbräu und Rotkehlchen vom Fass getrunken wird. Und dass man hier seine Verpflegung nicht aus den umliegenden Spätkäufen und Pizzerien, sondern bequem an einer Bude bekommt.
Und deren Angebot ist gar nicht schlecht: Verschiedene Würstchen und Burger in bester Bio- und Neulandqualität, Laugenbrezeln, Scampi vom Grill und Salate, darunter auch ein ganz Berlin untypischer Ohne-Mayonnaise-Kartoffelsalat.
Wer ganz pfiffig ist, kommt natürlich mit einem Boot: Die Fahrt auf der Müggelspree ist ein Traum, der Anleger vor dem Bürgergarten fast immer frei und das Strandbad, das man vom Bürgergarten aus am anderen Spreeufer sehen kann, ist in zwei Minuten erreicht. Nur der Vollständigkeit wegen und ganz ohne Hintergedanken sei hier erwähnt, dass es, solange man keinen Unfall verursacht, für Paddelboote keine Promilleobergrenze gibt.     Kai Röger

Weitere Informationen: Pfeiffergasse, Friedrichshagen, S Friedrichshagen, Mo-Fr ab 16 Uhr, Sa, So ab 11.30 Uhr, Tel. 65 07 56 53, www.braeustuebl-mueggelsee.de

Auch gut am Grill:

Schleusenkrug

Manche Besucher kommen angeblich nur wegen der feinen Merguez. Müller-Breslau-Str. 1, Tiergarten, www.schleusenkrug.de

Bierhof Rüdersdorf

Feine Burger und Bratwurst direkt neben dem Berghain. Rüdersdorfer Str. 70, Friedrichshain, www.bierhof.info

Rummelsburg

Feines Fleisch und gute Wurst vom Marktstand zum Selberbraten auf dem  Turbogrill vor Ort. Rummelsburger Landstr. 2-12, Lichtenberg, www.rummelsburg-berlin.de