Westbams Club-ABC

P wie Planet

War man am riesigen Türsteher Mackie in der Köpenicker Straße vorbeigekommen, verbarg sich dahinter  tatsächlich ein Stück vom Himmel. Es war 1991, und den ersten Clubkindern ging die Härte bei Tekknozid schon wieder auf den Geist. Ihnen kam der Planet als Erlöser vor und als Bote schöner Musik. Aber es war eben nicht nur das Image-spendende Geklimper von Kid Paul und Motte, das die Magie dieses Ladens ausmachte. Zwei Jahre nach dem Techno-Urknall war hier im Planet noch miteinander versöhnt, woraus in naher Zukunft sehr verschiedene Sound-Galaxien entstehen sollten.

Die Musik konnte innerhalb eines Abends Chicago-mäßig deep und cheesy sein, mal Techno à la Derrick May, mal Garage à la Larry Levan, mal Disco, mal industriell, mal hypnotisch-esoterisch mal klimperig und überdreht. Das kam gar nicht eklektizistisch, sondern war irgendwie Techno und man ahnte, was das alles war und werden könnte. Alles atmete die Zukunft und die Möglichkeiten, die vor dieser Soundwelt lagen.

Einstweilen tanzte dort noch alles zusammen in dem kleinen Ware-house. Umringt von den wunderbar naiven Deckenmalereien von Elsa 4 Toys wartete man auf den Beginn des Puppentheaters,  errötet und überhitzt von vielleicht zu großen Erwartungen und definitiv zu viel Ecstasy.

Jeder erinnert sich an die Anfangsjahre seines Clublebens als die beste Zeit überhaupt. Wenn du 1990 diese Zeit im Planet verbracht hast, könnte das sogar stimmen. Mein 91er-Album handelt von dieser Zeit und diesem Schuppen und ist bis heute eines meiner liebsten.

 

Zeitpunkt des Besuchs: 91-93, sehr oft als Gast und DJ

Addresse: Köpenicker Straße auf dem Gelände des heutigen Kater Holzig

Typischer Track: alles von Kevin Saunderson als E-Dancer

 

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