Bühne

Panikherz

Oliver Reeses Inszenierung des autobiografischen Bestsellers von Benjamin von Stuckrad-Barre ist leider allzu harmlos.

Keine Panik: Viermal „Stuckiman“ – Foto: Julian Röder

Es war einmal ein Junge, der las immer die richtigen Bücher, besucht nur die richtigen Konzerte und traf stets die richtigen Leute. Und während er all das tat, was richtig war für einen tüchtigen Jungen, der vorwärtskommen wollte, träumte er davon, eines Tages Teil von Udo Lindenbergs Panikfamilie zu werden – sein Idol, das dem Teenager Benjamin von Stuckrad-Barre einst eine Welt jenseits der braven Tristesse seines Geburtsorts Rotenburg an der Wümme aufzeigte: „Bars, Frauen, Amerika, Besoffensein“.

Benjamin zieht nach Göttingen, Köln, Hamburg, Berlin, steigt über Sta­tionen als „Rolling-Stone“-Redakteur und Gagschreiber für Harald Schmidt zum Star unter den „Popliteraten“ auf. Dann der Abstieg: Mager- und Drogensucht – aus der ihn schließlich der selbst suchterfahrene Udo Lindenberg holt.

Das alles beschreibt Stuckrad-Barre in seinem autobiografischen Roman „Panikherz“, den BE-Intendant Oliver Reese für die Bühne adaptiert und inszeniert hat. Bettina Hoppe, Laurence Rupp, Carina Zichner und Nico Holonics teilen sich die Rolle des heute 43-jährigen BSB, geben der Abfolge von Monologen interessante Vielfarbigkeit, dazu eine Band, die natürlich vor allem Lindenberg spielt.

Alles ein bisschen zu hübsch, zu harmlos. Es gibt aber zwei Momente an diesem seltsam netten Abend, wo das Publikum im Berliner Ensemble sich einmal schmerzhaft selbst gemeint fühlen konnte: Bei der Beschreibung eines „bestuhlten, auch das noch“ Konzerts von Noel Gallagher in L.A. vor lauter tendenziell gelangweilten Menschen, die am nächsten Tag früh raus müssen, und als mit Helmut Dietl ein weiteres Idol Stuckrad-Barres zitiert wird: „Am End wollen‘s alle a lichtdurchflutete Altbauscheiße.” Was für ein Elend. FRIEDHELM TEICKE

28.2., 8.+9.3., 19.30 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Oliver Reese; mit Bettina Hoppe, Laurence Rupp, Carina Zichner, Nico Holonicsu. Eintritt 11–35 €

Facebook Kommentare

[fbcomments]