URAUFFÜHRUNG

Papa liebt Dich

(Fünf-)Stimmige Rhapsodie einer weiblichen Identitätsbildung im ­Studio des ­Gorki Theaters

Ich-Erzählerinnen am Zug: Vidina Popov (vorn) – Foto: Ute Langkafel

In Sachen Geschlechtergerechtigkeit liegt am Theater vieles im Argen. Zu wenig ­Autorinnen, zu wenige Regisseurinnen, zu wenig interessante Rollenbilder. Was rauskommt, wenn es anders läuft, ist hier zu besichtigen. Geballte XX-Chromosomen-­Power buchstabiert die diffizile Identitätsbildung nach, die Sivan Ben Yishai für ein weibliches Ich niedergeschrieben hat.

Im Zug der Geschichte (Ausstattung: ­Moïra Gilliéron) hängen zwar einige Asso­ziationen etwas in der Luft, dafür ist die Komposition des Abends perfekt: Sina Gürler und ihr Ensemble bringen die Musi­kalität des Textes zum Klingen, die suggestiven Bilder zum Leuchten. Die Wut über die Schieflage zwischen Vater und Mutter, zärtliche Liebe zur Mutter, das ­alles kommt in den Monologen des präzise agierenden Ensembles stark über die Rampe.

Wie ein Gebet beschwört das Ensemble Schlüsselszenen herauf: wie die Tochter sich innigst wünscht, Mutter möge sich nur einmal gegen Vaters Verachtung wehren, wie Mutter verschwommen abseits steht, als die Tochter vom ­Vater das Erbe ausgehändigt bekommt.

Gürler und ihr Ensemble geben den inneren Szenen dieses kämpferischen weiblichen Bewusstseins Drive und Stimme, und wenn sich die fünf redend in eine ekstatische Sommerszenerie imaginieren, weitet sich der Horizont ins Utopische: kräftige Frauen schreiten weit aus, Sport-BHs fallen, Nippel glänzen in der Sonne. Bitte mehr davon. ANNA OPEL

6. + 7.3., 20.30 Uhr, Maxim Gorki Thea­­ter – Studio Я, Hinter dem Gießhaus 2, ­Mitte. Regie: Suna Gürler, mit Linda Vaher, Stella Hilb, Vernesa Berbo, Vidina Popov, Elena Schmidt. Eintritt 16, erm. 8 €

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