Historiendrama

Paradies

Ein überaus vielschichtiges Melodram über deutsche und russische Seelen

ZITTY-Bewertung: 5/6

Abgemagert sitzt die russische Prinzessin Olga Kamenskaja vor einer Kamera und erzählt von der Hölle. Sie gerät 1942 in Paris in Gefangenschaft. Ihr Weg führt nach Osten, in die Lager. Im Sommer 1933 traf sie einen jungen Deutschen: Helmut Axenberg. Er erzählt von seiner Karriere bei der SS und sagt einen wichtigen Satz: „Meine Flucht vor der Realität war die Beschäftigung mit der russischen Literatur.“ Er ist einer von vielen Deutschen, die mit Russland eine tiefere Wahrheit und eine reinere Kultur verbinden. Die beiden sehen sich wieder: in einem deutschen Konzentrationslager 1944.

Idylle zu Friedenszeiten
Foto: Alpenrepublik / Sveta Malikova

In künstlerisch hochwertigen Schwarzweißbildern erzählt Andrei Konchalovsky einen historischen Stoff, der zutiefst von einer Sehnsucht nach Erlösung durch Kultur geprägt ist. Die deutsch-russische Koproduktion stellt einen ambivalenten Versuch dar, den aus dem Zweiten Weltkrieg verbliebenen Antagonismus zwischen Deutschen (Nazis) und Russen gleichzeitig zuzuspitzen und zu entschärfen. Konchalovsky bedient sich dabei eines merkwürdigen filmischen Mittels, denn er lässt drei Protagonisten (neben Olga und Axenberg noch den französischen Kollaborateur Jules) wie in einem Verhör über ihre Geschichte sprechen. So schillert „Paradies“ auch zwischen den Fronten heutiger kultureller Konflikte und ist schon allein deshalb sehr sehenswert.

„Ray“, RUS/D 2016, 132 Min., R: Andrei Konchalovsky, D: Julia Vysotskaya, Christian Clauß, Jakob Diehl

https://www.zitty.de/event/drama/paradies-2017/