Kulturgeschichte

Heiß gemalt, kalt gestellt

Das Haus der Kulturen der Welt beleuchtet die Epoche der Kulturgeschichte, in der es gebaut ­wurde: mit der Ausstellung „ Parapolitik : Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg“

Die Rolle, die der Auslandsgeheimdienst der USA, der CIA, während des Kalten Krieges bei der Kulturförderung gespielt hat, bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung „Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg“ im Haus der Kulturen der Welt. Zum Beispiel hat der CIA den „Kongress für kulturelle Freiheit“ maßgeblich unterstützt.

Foto: Stefan Maria Rother / HKW
Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg: Beitrag des Berliner Künstlers Fernando Bryce. Foto: Stefan Maria Rother / HKW

Der Verband, dem unter anderem der Schriftsteller André Gide und der Komponist Igor Strawinski angehörten, wurde 1950 als „antitotalitäres“ Bündnis gegründet, um Moderne Kunst, Literatur und ­Musik weltweit als Modell des freien Westens durchzusetzen. Mit ihm sollte Individualität, freie Meinungsäußerung und unbehinderte Kreativität groß geschrieben werden, das Modell sollte daher gegen die autoritär organisierte Kultur des real existierenden Kommunismus ausgespielt werden.

In der Kunst war dabei der Abstrakte Expressionismus von entscheidender Bedeutung, wurde er doch vom CIA als Waffe gegen den Sozialistischen Realismus des „Ostblocks“ instrumentalisiert. Bereits 1974 deckte die Publizistin Eva Cockroft in ihrem Aufsatz „Abstrakter Expressionismus, Waffe des Kalten Krieges“ diese Verflechtung von Moderner Kunst und CIA auf, 1999 erschien Frances Stoner Saunders Buch „Wer die Zeche zahlt… Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg“. Das Kernthema von „Parapolitik“ ist also ein alter Hut. Kurzer­hand wird es daher aufgepeppt, indem die Ausstellung zusätzlich das Problem politischer Instrumentalisierung von Kunst generell bedenken soll.

Zu sehen sind Exponate von Künstlern, Schriftstellern, Designern und Musikern, vor allem aber von dem „Kongress“ herausgegebene Magazine und Manifeste, zudem ­Fotos, Zeitungsausschnitte, Kataloge, Bücher – letzteres säuberlich in Vitrinen und auf Stellwänden präsentiert, die Kunst beinahe zum Accessoire degradierend. Trotzdem seien hier einige der viel zu wenigen Kunstwerke erwähnt, etwa das an den Abstrakten Expressionismus anspielende großformatige Gemälde „Picassos ,Guernica’ im Stil von Jackson Pollock“ der Künstlergruppe Art&Language von 1980.

Andere Arbeiten konterkarieren die „wilde“ Ästhetik des Abstrakten Expressionismus, etwa Frank Stellas streng konstruktive schwarzweiße „Black Series II“ von 1967. Das Problem von „Macht und Repräsentation“ wird ebenfalls Thema, so in Peter Friedls intelligentem ­Video „Liberty City“ von 2007. Auch die Werbung kommt hier – warum? – zur Sprache: Peter Roehr hat in seinem Videoloop „Fl I“ von 1965 die für Shampoo-­Werbung typische Sequenz des geschüttelten Haares künstlerisch analysiert.

Das Resultat dieser zuweilen arg konfus anmutenden Zusammenstellung: eine überladene „Essay-Ausstellung“, die ihr Thema zwar auf mehr oder weniger intellektuellem Niveau durchdekliniert, für die jedoch die Kunst schonungslos instrumentalisiert, ja „kalt gestellt“ und von den Kuratoren auf bestimmte inhaltliche Komponenten reduziert wird. Das Ganze ergibt dann nicht mehr als einen kaum verständlichen visu­ellen Text über Kunst und Macht.

Übri­gens: Die „documenta 14“ hat 2017 überzeugend auf die Ausgrenzung von „Ostblock“-Kunst reagiert, indem sie diese vermeintlich einzig unfreie Kunst in ihr Programm aufnahm. „Parapolitik“ aber verzichtet darauf und wiederholt so das vom CIA beabsichtigte Ausblenden einer „sozial-­realistischen“ Ästhetik.

Bis 8.1.12018: HKW, John-F. Dulles-Allee 10, Tiergarten, Mi–Mo 11–19 Uhr, 7/5 €

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