ICH-SHOW

Peer Gynt

Lars Eidingers und John Bocks ­„Taten-Drang-Drama“ ist ebenso ­zerdehnt wie berauschend

Welcome to the Egoshow: Lars Eidinger als Peer Gynt – Foto: Benjakon

Das Programmheft ist eine mit einem Fratzenmotiv bemalte Unterhose. Und auf der Bühne flimmert bereits vor der Vorstellung Lars Eidinger vom Big Screen, man sieht, wie er sich eben jene Fratze schwarzummantelter Augen anmalt. ­Diese ist eine Signatur John Bocks, der Konzeptkünstler ist mittels Stoffflicken-Kuheuter-Bühnenbild und wilden Kostümen der zweite Protagonist des Abends.

Als Prolog spricht Eidinger nun vom Video herab Brechts Gedicht „Der Theaterkommunist“ und lässt den Abend dann gleich mit einer fetten Lüge beginnen: Eine Mitarbeiterin teilt dem verdatterten Publikum mit, Eidinger habe sich heute einen Finger abgeschnitten, in der Charité wieder angenähnt spiele er nun schmerzmittelnarkotisiert trotzdem.

Das Programmheft ist eine Programmunterhose – Foto: Schaubühne

Zur Premiere fallen viele zumindest kurz darauf rein. So eine Lüge ist aber natürlich ein prima Entré für ein „Taten-Drang-Drama“ um einen Lügner und Obernarzisten wie Peer Gynt. Eidinger spielt ihn grandios, und nahezu alle anderen Figuren gleich mit (nur Mutter Aase (John Bock) und Gynts jüngeres Ich (Edna Eidinger) sind via Video anders besetzt), alles vereinnehmend und sich verausgabend. Eidinger singt Songs seiner Lieblingsband a-ha (Norweger, wie passend), ein Autotune-Karaoke.

Der Abend ist eine von Einfällen überbordende Eidinger-Ich-Show, gut zwei Stunden lang, mitunter zäh, zerdehnt, dann auch großartig in seiner unerbittlichen, unerträglichen, schonungslosen Selbstvergewisserung und -täuschung. Lüge und Wahrheit verschmelzen, nicht nur beim Trollkönig, eben so einem wie Trump, der nur wie nebenbei zitiert wird. Ein „A+“ würde der sich selbst geben, heißt es, oder noch besser, wenn das ginge. Wir geben Eidingers maßloser Honky-Tonky-Narzissmus-Show ein Gut. Mit plus, wenn das ginge. FRIEDHELM TEICKE

6.3., 20 Uhr, 7. + 8.3., 17 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Leitung: John Bock, Lars Eidinger; mit Lars Eidinger. Eintritt 7–49 € (ausverkauft, ggfs. Restkarten)

Siehe auch: www.zitty.de/lars-eidinger-im-interview/