POTSDAM

Peer Gynt

In Potsdam gelingt eine ­bildstarke Umsetzung von Ibsens dramatischem Gedicht

Inmitten der schwarzen Bühnenschräge klafft ein großes Loch, zu Beginn noch verstellt durch einen Bretterzaun (Bühne: Wolfgang Menardi).

ZITTY-Bewertung: 4/6
ZITTY-Bewertung: 4/6

Zunächst ist die Öffnung noch mit zwei Dutzend schwarzen Schlauchbooten gefüllt. Später baut Peer Gynt notdürftig aus zwei Schlauchbooten und ein paar Brettern ein Haus darin, baufälliges Sinnbild der Flüchtigkeit seines Versuchs für seine Solvejg und sich einen Hafen für ihre Liebe und ihre Zukunft zu schaffen. Doch vor allem bleibt das Loch eine klaffende Leerstelle, Symbol für die lebenslange vergeblich Identitätssuche des Protagonisten, eine Peer-Stelle also.

Musikalische Solvejg: Franziska Melzer – Foto: HL Böhme
Musikalische Solvejg: Franziska Melzer – Foto: HL Böhme

Dass Solvejg auf diesen Narziss die ganze Zeit brav wartet, bleibt unverständlich. Franziska Melzer gibt der längst aus der Zeit gefallenen ­Rolle daher vor allem musikalisch starke Kontur: als ein sich selbst genügendes ­Motiv – wie die Liebe.  FRIEDHELM TEICKEAlexander Finkenwirth gibt dem jungen Gynt in Alexander Nerlichs bildstarker Inszenierung als impulsiven Glücksritter, der nach dem Tod der alleinerziehenden Mutter (Rita Feldmeier) in die Welt auszieht, um die innere Einsamkeit durch immer neue Aktionismen zu vertreiben. Parallel setzt Nerlich kommentierend und spiegelnd den alten Peer Gynt dazu (virtuos: Bernd Geiling), der nach der Pause ganz übernimmt – und doch immer noch nicht bei sich ist: Vervierfacht bevölkert er schließlich die Bühne, lauter Peer-sönlichkeiten.

29.4., 7.5., 19.30 Uhr, Hans-Otto-­Theater, Schiffbauergasse 11, Potsdam. Regie: ­Alexander Nerlich; mit Alexander Finkenwirth, Bernd Geiling, Franziska Melzer. Eintritt 13-33 €

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