Testosteron-Theater

Peng! Peng! Boateng!

Drei Brüder tanzen im Fußballkäfig

Fußballbrüder: Zwischen Wedding und Weltruhm – Foto: Verena Eidel
Fußballbrüder: Zwischen Wedding und Weltruhm – Foto: Verena Eidel
ZITTY-Bewertung 6/6
ZITTY-Bewertung 6/6

Mit Außenseitern kennt Nicole Oder sich aus: Die Regisseurin hat mit Obdach­losen Stücke entwickelt, außerdem für den Heimathafen Neukölln „Arab-Boy“ und „Arab­Queen“ inszeniert. Außenseiter sind auch die Berliner Fußballbrüder ­George, Kevin-Prince und Jérôme Boateng. Denn obwohl die drei – auch in sozial – unterschiedlichen Haushalten aufwachsen, eint sie eine Erfahrung: Als schwarze Deutsche werden sie oft ausgegrenzt.

Wie das zusammenschweißt, erleben die Zuschauer in Nicole Oders jüngstem Werk „Peng! Peng! Boateng!“, das sich an ­Michael Horenis Buch „Die Brüder Boa­teng“ anlehnt. Dort, wie in Oders Stück ­erfährt man, wie wichtig dem jüngsten Bruder Jérôme die Anerkennung der älteren Kevin-Prince und George ist:  Um im berühmt-berüchtigten Fußballkäfig an der Panke mithalten zu können, trainiert er heimlich und lässt sich auch von harten Sprüchen nicht unterkriegen.

Dass Daniel Mandolini, Tamer Arslan und Nyamandi Mushayavanhu, die Darsteller der Kicker, optisch wenig mit den realen Vorbildern gemein haben, lässt ihr Schauspiel umso mehr erstrahlen: Das Jungmännertum, die Außenseitererfahrung – sie verkörpern es perfekt. Das liegt auch an Raphael Hillebrand, dem Choreografen: Er macht die Zuschauer glauben, Breakdance sei wildes Gebolze. EVA APRAKU

5.–7.1., 19.30 Uhr, Heimathafen Neukölln im Pier 9, Hasenheide 9, Kreuzberg. Regie: Nicole Oder, Buch: Michael Horeni; mit Tamer Arslan, Nyamandi Mushayavanhu, Daniel Mandolini. Eintritt 15, erm. 10 €