PERFORMANCE

pension schöller in the box

Bridge Marklands neue One-Woman-Montage verbindet wieder Pop und Puppen

Puppen-Playback-Posse: Bridge Markland vereint Pop und Puppen – Foto: Manuela Schneider

Nicht tot zu kriegen ist diese Klamotte der Paraderollen; selbst Frank Castorf konnte sich in seiner frühen Volksbühnen­ära nicht dem Reiz der Komödie „Pension Schöller“ aus dem Jahre 1890 entziehen, da freilich verschränkt mit Heiner Müllers „Die Schlacht!“. Das Weddinger Prime Time Theater wird im März 2020 seine Variante dieser ­verrückten Theaterwelt vorstellen. Eine ganz eigene Fassung kommt aber hier von der Berliner Performance-Künstlerin Bridge Markland.

Gutsbesitzer Klapproth möchte unbedingt eine Irrenanstalt von innen sehen. Ein Freund empfiehlt ihm die Pension Schöller, ist sie doch durch die Exzentrik ihrer Gäste bekannt. Hier trifft er unter anderem auf einen paranoiden Ex-Militär oder im Spiel im Spiel auf einen Möchte­gernschauspieler. Das Amüsement der Soiree eskaliert, als die vermeintlich Irren dem Gutsbesitzer einen Hausbesuch abstatten.

Mutig von Bridge Markland, diese Chose allein zu stemmen. Sie hat freilich schon einige Übung in ihrem „In-The-Box“-Format, etliche Klassiker von „Faust“ bis zu Schillers „Räuber“ hat sie seit 2006 mit Pop und Puppen inszeniert. So sind auch hier das Personal der Pension Handpuppen, die die Darstellerin mit Verve bedient. Ihre Stimmen kommen aus dem Off, 100 Musiktitel von Laurie Anderson bis Frank Zappa sowie Zitate aus Film- und Fernsehserien untermalen die Show.

Spannend auch die Idee, die verrückte Schöller-Welt zumindest bei den ersten Vorstellungen an zwei Spielorten darzubieten: Im alten Delphi-Kino, in dem Markland zwischen dem an Tischen sitzenden Publikum agiert, zum 3. Akt geht’s rüber in die Brotfabrik. Doch bei ­aller Spielfreude und Virtuosität: Die herrlich absurde Welt des Hauses Schöller leuchtet nur in Momenten auf. AXEL SCHALK

19.–21.12., 20 Uhr, Brotfabrik, Caligariplatz 1, Weißensee; Regie. Bridge Markland, Nils Förster; mit B. Markland. Eintritt 15, erm. 10 €