Superlative aus deutschen Landen

Perry Rhodan

Ein Dokumentarfilm zum 50. Geburtstag des deutschen Science-Fiction-Romanhelden Perry Rhodan

Ziemlich genau 50 Jahre ist es her. Der Kalte Krieg befand sich auf seinem Höhepunkt, als die Autoren Walter Ernsting und Karl-Herbert Scheer die Heftroman-Reihe „Perry Rhodan“ aus der Taufe hoben. Am 8. September 1961 erschien das erste Heft der heute umfangreichsten  Science-Fiction-Serie der Welt, die unter dem Aspekt der Langlebigkeit sogar „Star Wars“ und „Star Trek“ in den Schatten stellt.
Die Gesamtauflage der gedruckten Abenteuer hat allein in Deutschland längst die Milliardengrenze überschritten. Im Juni 2011 feierte man Heftnummer 2.600 der Erstauflage, die seit dem Start ins All ohne Unterbrechung wöchentlich erscheint. Im September 2011 wird mit dem 5. WeltCon in Mannheim unter dem Motto „Die Zukunft hat einen Namen“ im großen Stil „50 Jahre Perry Rhodan“ zelebriert. Dazu kommen Lizenzausgaben in Frankreich, Holland, Tschechien, Brasilien, Japan und den USA sowie Taschenbücher und Hardcover mit neuen Geschichten und Nachdrucken klassischen Materials. Plus das obligatorische Merchandising im „Perryversum“.

Zum runden Geburtstag läuft der Dokumentarfilm „Perry Rhodan – Unser Mann im All“ im Kino an. Regisseur André Schäfer und sein Team montierten Beiträge über Fans, Autoren, Risszeichner, Händler und anderen aus dem riesigen Umfeld des altgedienten Heftchen-Helden zu einem unterhaltsamen Ganzen. Es entsteht ein schwärmerischer Blick auf den Werdegang der deutschen Serie und die Schnittstellen von Fiktion und Realität, gedreht an ungewöhnlichen Schauplätzen. „Aus der Literatur in die Wirklichkeit“, wie Literatur-Kritiker Denis Scheck in einer Szene schön sagt.
Das Drehbuch stammt von Claudia E. Kraszkiewicz und Hartmut Kasper, der unter dem Pseudonym Wim Vandemaan bereits selbst ein Dutzend Heftromane im Rhodan-Kosmos verfasst hat. „Der Film war eine einmalige Gelegenheit, hautnah zu erleben, wie global das Phänomen Rhodan mittlerweile geworden ist“, erzählt Kasper. „Von der European Space Agency in Köln zur Frankfurter Buchmesse, vom Wiener Untergrund über die Niederlande bis nach Florida und weiter nach Los Angeles reicht mittlerweile das Wurzelwerk.“ Und Kasper ergänzt: „Wir haben nicht einmal alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Rhodan wird ja auch in Frankreich gelesen, in Tschechien und in Japan. Als der Film bereits fast abgedreht war, erhielten wir sogar noch ein Kooperationsangebot von einem brasilianischen Filmemacher, der eine Dokumentation über Perry Rhodan in seinem Land plant. Will sagen: Die Perry-Rhodan-Geschichte ist noch lange nicht auserzählt.“

Auf dem uferlosen Stoff der Weltraum-Oper liegt der Schwerpunkt des Films nur selten. Die Menschen, die auf vielfältige Art und Weise zum Phänomen Rhodan beitragen, sind das Thema. „Im Film“, erläutert Kasper, „geht es darum, ins Bild zu setzen, was so viele Leser aus so vielen Bereichen an der Serie begeistert. Dabei hat jeder Leser seinen eigenen Zugang zu Perry Rhodan – seine eigene Rhodan-Geschichte.“ Schließlich sieht der Berliner Journalist und Kulturwissenschaftler Rainer Stache, der über die Serie seine Doktorarbeit geschrieben hat, Perry Rhodan eben differenzierter als einer der wenigen jugendlichen Neuleser, wie sie der Dokumentarfilm bevorzugt zeigt.
Über eines können diverse Verkaufs-, Auflagen- und Umfang-Rekorde aus fünf Dekaden und das Leinwand-Geburtstagsgeschenk allerdings nicht hinwegtäuschen: Der Nachwuchs ist angesichts des Ballasts aus 50 Jahren das große Problem der Marke. „Perry Rhodan Neo“ heißt nun der Versuch, den Weltraummann im Taschenheft an eine neue Zielgruppe heranzuführen. Die klassische Sternensaga soll in zeitgemäßem Kontext neu erzählt werden. Nur wenn das gelingt, kann im nächsten launigen Film berichtet werden, dass Perry Rhodan den Absprung in die Zukunft auch wirklich geschafft hat.

Weitere Informationen: „Perry Rhodan – Unser Mann im All“, D 2010, 94 min, R: Hartmut Kasper & Claudia Kraszkiewicz, Kinostart: 1.9., www.perry-rhodan.net