Kino

Petting statt Pershing

Deutschland im Jahr 1983: Kaum haben „die beknackten Müslis“ den alten Bauernhof bezogen, ist in der Welt der siebzehnjährigen Schülerin Ursula nichts mehr so, wie es einmal war. Schon gar nicht, nachdem sich herausstellt, dass der neue coole Mathelehrer Siegfried einer von denen ist.

Foto: Jutta Pohlmann / NFP

Mit seinem Gerede von Anti-AKW-Demos, Ökobackkursen und offenen Beziehungen bringt er frischen Wind in das betulich-konservative Provinzleben und hat auch schon bald ganz konkret so einiges laufen – auch mit Ursulas von der Ehe frustrierter Mutter. Sehr zum Verdruss der pummeligen Ursula, die sich selbst in den Charmeur verliebt hat und endlich ihre Jungfräulichkeit loswerden will.

Drehbuchautorin Petra Lüschow („Tannöd“) lässt in ihrem Langfilmdebüt als Regisseurin alternative Lebensformen der Nach-68er auf immer noch recht konservative bundesrepublikanische Denk- und Verhaltensformen prallen. Dabei kann sie sich aber in der Wahl ihrer Mittel nicht so recht zwischen emphatischer Erinnerung, klamaukiger Provinzposse und emanzipatorischer Herablassung entscheiden. Auch die akribische Ausstattung mit „Jute statt Plastik“-Taschen, Pong-Telespiel und frühfeministischen Taschenbüchern wirkt eher dekorativ. Irgendwo in diesem Zuviel-des-Guten steckt eine erzählenswerte Geschichte.

D 2019, R: Petra Lüschow, D: Anna Florkowski, Florian Stetter, Christina Große, Thorsten Merten, Hermann Beyer, Britta Hammelstein, Start: 5.9.