Krimi

Philip Kerr: Böhmisches Blut

30 Monate lang hat uns der Verlag hängen lassen, nun erfährt man endlich, wie es dem lässigen Ex-Bullen und Privatdetektiv Bernie Gunther unter den Nazis weiter ergangen ist.

ZITTY-Bewertung 5/5
ZITTY-Bewertung 5/5

Mit dem neuen Band kehrt der Schotte Philip Kerr zur linearen Erzählweise der ersten Romane zurück, beendet das Springen zwischen 1.000-jährigem Reich und Nachkriegszeit, das die letzten ­Romane dieser außergewöhnlichen Serie etwas überkonstruiert machte. Im Jahr 1941 wird Bernie von seinem „Freund“ Reinhard Heydrich, dem gerade neu ernannten Reichsprotektor für Böhmen und Mähren, in dessen Haus nach Prag eingeladen. Widerwillig verlässt er Berlin, denn Bernie, obwohl ­Ermittler für das Reichssicherheitshauptamt, ist alles andere als ein begeisterter Nazi.

Und so nimmt er den Mord, der an diesem Wochenende in Heydrichs Villa passiert, auch eher hämisch wahr. Aber Heydrich kann diese Tat nicht auf sich sitzen lassen und Bernie wird mal wieder zu seinem ausführenden Organ. Immer wieder beeindruckend, wie gut Kerr die Hintergründe seiner Berlin-Romane ­recherchiert. Zwar schleichen sich immer wieder kleinere Fehler ein, aber die ganz großen Klopper sind bis zu diesem achten Buch ausgeblieben. Noch beeindruckender allerdings ist der Blick des Außenstehenden auf all die großen und kleinen Schuldigen, all die Mitläufer und Arschkriecher der Nazizeit. Kerr nimmt die Perspektive eines Geschichtswissenschaftlers ein, sein Bernie Gunther dagegen ist eine Figur, die schuldlos schuldig geworden ist. Oder umgekehrt.

Aus dem Englischen von Juliane Pahnke. Wunderlich/Rowohlt, Reinbek 2014. 478 Seiten, 19,95 Euro