KAMMERSPIEL

Philoktet

Heiner Müllers düsteres Stück um Lüge und Manipulation in einer hochkonzentrierten, aber spielarmen Inszenierung

In der Unterwelt: Edgar Eckert als Philoktet – Foto: Arno Declair

Heiner Müllers Adaption des antiken Stoffs aus der Troja-Sage, geschrieben zur Zeit des Mauerbaus, ist eines seiner düstersten Stücke: Der zynische Strippenzieher Odysseus (Jörg Pose) und der Idealist Neoptolemos (DT-Ensemble-Neugang Niklas Wetzel) versuchen den vor zehn Jahren auf der Insel Lemnos mit einer nach Verwesung stinkenden Beinwunde ausgesetzten Krieger Philoktet (Edgar Eckert) zu überreden, nach Troja zu kommen. Laut einer Prophezeihung kann die Stadt nur durch dessen Bogen fallen. Odysseus’ Plan, den Verbitterten durch List rückzugewinnen, misslingt. Philoktet wird schließlich ermordet, sein Bogen, die „Wunderwaffe“, erbeutet.

Der iranische Regisseur Amir Reza Koohes­tani entwickelt in seiner ersten DT-Regie ein hochkonzentriertes, anderthalbstündiges Theater mit Live-Kameras. Im Vordergrund steht die tödliche Story in der kraftvollen Sprache Müllers.

Spiel aber findet auf der abgedunkelten Bühne kaum statt. Alle agieren wie von einer ­Mechanik gesteuert. Eine stärkere Konturierung der drei prototypischen Charaktere hätte der Inszenierung gut getan. Getragen wird der Versuch mit Müllers kompliziertem Stück ganz vom ausgefeilten ­Sprachduktus der drei Protagonisten im Militäroutfit – stoisch, verhalten, kalt. Dies macht die differenzierte Inszenierung über Lüge, Manipulation und die Mechanik der Gewalt interessant. AXEL SCHALK

10.12., 20 Uhr, 26.12., 19.30 Uhr, Kammerspiele des DT, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Amir Reza Koohestani; mit Edgar Eckert, Jörg Pose, Niklas Wetzel. Eintritt 19–30, erm. 9 €