Geil ohne Gift

Podcast Männerkitsch

Flirten, Daten, Gruppenduschen, Sex: Im Podcast „Männerkitsch“ geht es um viele Themen, die Spaß bringen – zumindest, wenn man sich als Mann nicht scheiße verhält. Alle zwei Wochen diskutieren die beiden Freunde Ansgar Riedißer, 21, (im Foto links) und Max Deibert, 25, in einer neuen Podcast-Folge darüber, was es heute bedeuten kann, ein Mann zu sein: persönlich, kritisch, witzig, alltagsnah und ohne Moralkeule. Zu hören ist „Männerkitsch“ auf Spotify oder auf maennerkitsch.podigee.io.
ZITTY hat die beiden jungen Berliner um sieben Experten-Tipps gebeten, wie Mann das Leben möglichst un-toxisch genießen kann

Ansgar Riedißer, 21, (im Foto links) und Max Deibert von Podcast Männerkitsch
Ansgar Riedißer, 21, (links) und Max Deibert, 25
Fotos: Lena Ganssmann

1. Sei nicht der dritte oder vierte männliche Beitrag in der Diskussion

Ansgar: „Bei mir im Studium sitzen oft fünf Männer und 30 Frauen in der Runde. Der erste Redebeitrag kommt aber fast immer von einem Mann. Und dann sagen die anderen vier Männer im Raum noch mal, was gerade schon mal jemand gesagt hat. Auch abseits der Uni, auf Partys, ist mir das schon oft aufgefallen, dass Männer ihre Aussagen anscheinend für sehr viel relevanter halten als die von Frauen.“

Max: „Ich habe das Gefühl, für Männer ist das eher eine Selbstverständlichkeit, sich den Raum zu nehmen und anfangen zu reden – selbst wenn sie deutlich weniger Ahnung von dem Thema haben als anwesende Frauen.“

Ansgar: „In einer Runde kann man ja auch Frauen fragen: „Was denkst du denn dazu?“ Auf eine Weise, die Interesse zeigt und nicht bevormundet.“

2. Du kannst Mann bleiben, keine Sorge

Ansgar: „Die Diskussionen um toxische Männlichkeit haben immer wieder den Effekt, dass Männer glauben, die ganze Männlichkeit sei toxisch. Und das ist ja nicht so. Es ist auch nicht so, dass alle Formen von Männlichkeit von irgendeiner Stelle verboten werden sollten oder auch nur könnten.“

Max: „Man ist nicht weniger Mann, nur weil man in Diskussionen darauf achtet, wer gerade spricht. Und deshalb einen Wortbeitrag zurückhält. Oder weil man was anderes tut, das auf unserer tollen Liste steht. (lacht) Auch deshalb machen wir den Podcast. Um Männern diese Panik zu nehmen.“

Rede auch unter Männern über Gefühle

Max: „In Männergruppen gibt man sich oft anders, als man sich dem Partner oder der Partnerin zeigt. Das ist eine Rolle, die Männerkitsch-mäßig eher John Wayne nachahmt und einen als gefühlskalt abgehärtet darstellt, statt auch über Ängste zu reden, über Probleme beim Sex – was einen halt einfach so als Mensch beschäftigt. Ich merke, dass das in vielen Freundeskreisen als unmännlich gilt.“

Ansgar: „Freundinnen von mir in Hetero-Beziehungen erzählen öfter, dass ihr Partner sich irgendwie seltsam verhalten hat, als er zum ersten Mal in ihrem Freundinnenkreis war: dass er sich sehr hart und cool und unangreifbar gegeben hat. Und dann fällt sehr oft der Satz: „Aber zuhause ist er ganz anders.“ Warum eigentlich? Und das habe ich andersherum extrem selten gehört, dass ein Typ hinterher sagt: „Sorry, meine Freundin ist zuhause ganz anders.“

Max: „Die Frage ist, inwieweit Gefühle bewusst ausgeklammert werden – und wo das ungesund wird.“

Ansgar: „Ich glaube, Männer sind nicht schlechter darin, über Gefühle zu sprechen, sondern anscheinend nur schlechter darin in Gruppen mit Männern.“

Max: „Vielleicht weil sie es weniger gut gelernt haben.“

Ansgar: „Die haben den Gefühlsunterricht in der Schule geschwänzt! (lacht) Spannend am Gespräch mit Max ist übrigens auch, dass er als Hetero und ich als schwuler Mann unterschiedliche Erfahrungen machen. Ich habe das Gefühl, es gibt einen Hetero-Männer-Code, den ich nicht ganz verstehe. Und andersherum hat Max den Eindruck wahrscheinlich auch. (lacht)“

Max: „Ja! Bestätige! Bei unserer Sex-Folge fand ich den Abgleich am interessantesten. Ich habe zum Beispiel erst seit etwa einem Jahr heraus, wie man mit einer heterosexuellen Partnerin über Sex redet. Und ich hatte eigentlich auch mit meinen Freunden nie wirklich darüber gesprochen.“

Ansgar: „Im Gegensatz dazu gibt es fast schon schwulen Männerkitsch: dass man sich eine halbe Stunde kennt – und schon sehr technisch über Blowjobs redet.“

Männerkitsch Podcasts

3. Toxische Männlichkeit schadet dir selbst

Max: „Unter mangelnder Kommunikation können Freundschaften, Partnerschaften leiden. Man hat auch die Chance, viel über sich selber zu lernen, wenn man sich mit toxischer Männlichkeit beschäftigt.“

Ansgar: „Ich habe bei Freunden auch schon mitgekriegt, dass die Qualität von Beziehungen zunimmt, wenn man offen redet. Auch Freunde, die lange gebraucht haben, unter Männern eine so vertrauensvolle Beziehung zu entwickeln – bis man sich peinliche Sachen erzählen kann, ohne daraus einen Witz zu machen. Ohne ironische Distanz.“

Max: „Wenn es zum Beispiel gerade mit dem Partner so ganz schlecht im Bett läuft und man hat niemanden, mit dem man darüber reden kann, weil man sich so ein Gerüst aufgebaut hat, das sowas nicht zulässt – dann leidet man darunter.“

4. Du hast es leichter als Mann, also mach was draus

Ansgar: „Ein Bekannter war mal sehr überrascht, dass die Freundin nicht allein über eine bestimmte Straße gehen wollte in der Nacht. Der meinte, es passiert doch nichts. Aber dieser Freundin sind eben dort schon Sachen passiert. Unangenehme Sachen. Es wäre kein großer Aufwand für mich oder ihn oder irgendeine Person, diese Straße mit ihr langzugehen. Dieses Privileg kann man leicht nutzen, positiv gewendet. Indem man anbietet, mitzugehen.“

Max: „Meine Mutter hat mir beigebracht, dass ich nachts als Mann, wenn ich einer Frau entgegenlaufe oder hinter ihr laufe, immer die Straßenseite wechseln soll – damit gar nicht erst dieses ungute Gefühl bei einer Frau aufkommt. Weil ich halt so groß bin.“

5. Definier dich doch mal über was anderes als deinen Penis

Max: „Hattest du dir den Tipp ausgedacht?“

Ansgar: „Du warst das! (lacht)“

Max: „Dabei ist der Penis doch voll okay. (lacht)“

6. Flirten ist es nur, wenn es beiden Spaß macht

Max: „In einer unserer Lieblingsfolgen haben wir darüber gesprochen, wann es von Flirten zu ekliger Anmache kippt. Unser Fazit war, dass Flirten ein Spiel ist, an dem beide Personen zu gleichen Teilen mitmachen. Und in dem man eine Sprache findet, in kürzester Zeit. Und dass man dann gemeinsam dieses Spiel spielt: sich näher kommt, Dinge über die andere Person erfährt. Das ist Flirten. Wenn aber ein besoffener Mensch sich an einen anderen rangräbt und sich überhaupt nicht interessiert, was die andere Person sagt oder in welchem Modus sie überhaupt ist – dann ist das kein Flirten.“

Ansgar: „Ja, genau, denn der Sinn dabei ist ja gerade, dass man eine gemeinsame Sprache entwickelt: eine erhöhte Aufmerksamkeit füreinander. Wenn man ganz unsicher ist, kann man auch mal nachfragen.“

Max: „Bei uns ist das schon sehr nah dran, Ansgar! (lacht)“

Ansgar: „Unser Podcast ist Flirten in Reinform. (lacht)“