Kino

Pre-Crime

Die Frage, inwieweit Algorithmen ­unsere Lebenswelt gestalten, sorgt für wachsendes Unbehagen – obwohl das Gros der Bevölkerung davon wohl nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs wahrnimmt.

Kein Wunder also, dass Aspekte der hier vorgestellten Ansätze, ­Verbrechensrisiken durch Berechnungen zu minimieren – „predictive policing“ ist das Stichwort – anmuten wie Science Fiction.

Diese Doku differenziert: etwa zwischen Strategien, die sich auf personenbezogene Daten stützen und denen, die aus Geo­daten Rückschlüsse ziehen. Dass die ­Polizei auf letztere zur Verhinderung von Einbrüchen und Diebstählen zurückgreift, ist weithin akzeptierte Praxis. Dass dagegen Menschen, die bisher nicht straffällig wurden, auf Basis von Berechnungen hochoffiziell verwarnt werden – der Film porträtiert junge Männer aus prekä­ren Verhältnissen in London und ­Chicago – bedeutet unter anderem, dass ein Grundprinzip des Rechtsstaats nicht mehr gilt: die Unschuldsvermutung.

PreCrime
Foto: Rise Shine Films

Vertiefenswert scheint ein Aspekt, den die Interviewpartnerin Yvonne ­Hofstetter, Autorin und Geschäftsführerin einer Technologiefirma, beiläufig anreißt: Dass die Frage nicht ist, wie viel Macht der Staat den Algorithmen geben will. Sondern eher, was der Wachstumsmarkt Big Data noch hergibt. Die Grenzen ­zwischen Daten, die der Staat sammelt und denen, die von Privatunternehmen gehortet ­werden, ist längst verschwommen.

D 2017, 88 Min., R: Monika Hielscher und Matthias Heeder

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