HILFERUF

Privatbühnen warnen vor Theatersterben

Zwanzig Berliner Privattheater fordern in einem offenen Brief „unbürokratische und schnelle Hilfsmaßnahmen“ von der Politik. Ohne diese würde es „zu einem massiven Theatersterben in der Stadt kommen“. Kredite helfen ihnen nicht. „Besonders Kulturinstitutionen, die bisher keine oder geringe Zuwendung vom Land Berlin erhalten haben, stehen vor dem baldigen Aus.“ Der Brief wurde an die Staatsministerin für die Angelegenheiten von Kultur und Medien Prof. Monika Grütters, den Bundesfinanzminister Olaf Scholz sowie den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verschickt.

Seit drei Wochen sind die Häuser wegen des Corona-Virus geschlossen – und damit ohne Einnahmen. Unter den Unterzeichnern sind die Leiter*innen von BE, Schaubühne, Theater am Kurfürstendamm im Schillertheater, Grips Theater, Tipi und Bar jeder Vernunft, Renaissance und Schloßpark Theater sowie Stage Theater des Westens.

Wir veröffentlichen den offenen Brief nachfolgend im Wortlaut.


Die Berliner Privattheater unterstützen die Forderung von Kultursenator Dr. Klaus Lederer nach sofortiger wirtschaftlicher Hilfe des Bundes für die Kulturinstitutionen. Wir weisen mit diesem offenen Brief eindringlich darauf hin, dass es ohne unbürokratische und schnelle Hilfsmaßnahmen zu einem massiven Theatersterben in der Stadt kommen wird. Besonders Kulturinstitutionen, die bisher keine oder geringe Zuwendung vom Land Berlin erhalten haben, stehen vor dem baldigen Aus. Ohne die Vielzahl an Theatern wäre unsere Stadt nicht so bunt, nicht so lebendig, nicht so lebenswert und nicht so attraktiv. Die Kulturlandschaft und in der Folge auch die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur Berlins wären damit schwer beschädigt. Genau deswegen ist es wichtig, dass tatsächlich alle Theater, alle Kulturinstitutionen diese Krise überstehen und nicht nur einzelne Häuser.

Die Berliner Privattheater benötigen jetzt sehr konkrete Hilfe, und zwar in Form von Zuschüssen seitens des Berliner Senats und der Bundesregierung. Kredite helfen angesichts der monatelang ausbleibenden Einnahmen nicht!

Für das Krisenmanagement und das Engagement für die Berliner Kultur danken wir Kultursenator Dr. Klaus Lederer und dem Berliner Senat.

Berlin, den 7. April 2020

  • Holger Klotzbach für die Bar jeder Vernunft und das Tipi am Kanzleramt
  • Oliver Reese für das Berliner Ensemble
  • Hendrik Frobel für das Chamäleon Theater
  • Philipp Harpain für das Grips Theater
  • Astrid Brenk für das Kabarett Theater Distel
  • Caroline und Frank Lüdecke für das Kabarett-Theater „Die Stachelschweine“
  • Karin Bares für das Kleine Theater am Südwestkorso
  • Martin Woelffer, Michael Forner für die Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater
  • Tomislav Bucec, Oliver Tautorat für das Prime Time Theater
  • Thomas Hermanns, Thomas Pape für den Quatsch Comedy Club
  • Jacob Höhne für das RambaZamba Theater
  • Horst-H. Filohn für das Renaissance-Theater Berlin
  • Thomas Ostermeier, Tobias Veit, Friedrich Barner für die Schaubühne am Lehniner Platz
  • Dieter Hallervorden für das Schlosspark Theater und Die Wühlmäuse
  • Andrea Pier für das Stage Theater des Westens
  • Gabriele Streichhahn für das Theater im Palais
  • Lars Georg Vogel für die Vaganten Bühne
  • Georg Strecker für das Wintergarten Varieté