Melodram

Professor Marston & the Wonder Women

Es gibt Geschichten, die so unglaublich sind, dass sie wahr sein müssen, weil man sie einem Drehbuchautoren als reine ­Fiktion schlicht um die Ohren hauen würde. Die von Dr. William Moulton Marston gehört ohne Frage dazu.

Marston (Luke Evans) ist Ende der 1930er-Jahre ein angesehener Professor für Psychologie an der Harvard Universität, ­verheiratet mit der ebenso brillanten ­Kollegin Elizabeth (Rebecca Hall). Er hat eine Theorie namens DISC – die Abkürzung steht für dominance, inducement, submission and compliance, also Dominanz, Veranlassung, Unterwerfung und Befolgung – entwickelt, laut der sich alles menschliche Verhalten auf diese vier Begriffe zurückführen lässt.

 

Dreamteam: Marston und seine zwei Frauen
Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Zudem arbeitet ­Marston mit ­seiner Frau an einem Lügendetektor. ­Pikant wird die Lage, als sich mit Olive ­Byrne ­(Bella Heathcote) eine hübsche ­junge Studentin zu dem Ehepaar gesellt – beruflich und privat. Denn sowohl Herr als auch Frau Marston verlieben sich in Olive. Man entscheidet sich, entgegen alle Konventionen zusammenzuleben – mit fatalen Folgen: Prof. Marston wird gefeuert, die ­finanzielle Not wächst – bis er schließlich auf die Idee kommt, seine psychologischen Theorien in Gestalt der ersten weiblichen Comic-Heldin überhaupt zu visualisieren: Wonder Woman.

Ein Mann nicht zwischen, sondern mit zwei Frauen, die sich ebenfalls lieben – diese Konstellation wäre heute noch ungewöhnlich; man kann sich gar nicht ausmalen, was sie vor 75 Jahren bedeutet haben muss. Es oblag nun Autorin und ­Regisseurin ­Angela Robinson („True Blood“), ­diese unfassbare Geschichte mit dramaturgischem Leben zu füllen.

Und das gelingt ihr in beeindruckender Weise. Ihr Biopic lebt nicht nur von seinen ungewöhnlichen ­Figuren und deren Bereitschaft, für ihren Lebensentwurf gebrandmarkt zu werden, das Melodram ­besitzt neben geschliffenen ­Dialogen – vor allem aus dem Munde ­Rebecca Halls – auch jene prickelnde (Bon­dage-) Erotik, die ja auch Einzug in die ­ersten ­Comicabenteuer der Wonder Woman gehalten haben. Ein großes Kinofest für die Freiheit – des ­Denkens, der Kreativität und der Liebe. 

USA 2017, 108 Min., R: Angela Robinson, D: Luke Evans, Rebecca Hall, Bella Heathcote

Professor Marston & The Wonder Women

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