ORTSSPEZIFISCHE PERFORMANCE

Rituale und Ekstase

Meg Stuart überträgt ihre bildgewaltige Performance „Projecting [Space[“ vom Ruhrgebiet nach Berlin

Archäologen der Zukunft: Überall im Raum spielen sich Szenen ab – Foto: Laura van Severen

Text: Tom Mustroph

Die aus New Orleans stammende, tänzerisch aber vor allem in ­Belgien sozialisierte und seit längerem in Berlin lebende Choreografin Meg Stuart hat 2017 der stillgelegten Zeche Lohberg im Ruhrgebiet das Tanzstück „Projecting [Space[“ auf den Raum geschrieben. Für die Saisoneröffnung des HAU überträgt sie es nun auf eine Fabrikhalle im einstigen Industrie­revier Schöneweide. Eine performative Meditation mit neun Menschenkörpern, einzelnen Hub- und Soundmaschinen und dem träge vorbei strömenden Fluss.

In der Halle stehen noch urtümliche Maschinen, auf denen „Made in Bulgaria“ vermerkt ist. Authentischer Ostblock-Flair entfaltet sich also in den Reinbeckhallen in Oberschöneweide. Meg Stuart hat sich hier eine frühere Transforma­torenhalle ausgesucht. „Es war nicht einfach, in Berlin etwas Geeignetes zu finden. Wegen der Szenen draußen konnten wir auch nicht im Winter proben und spielen“, erklärt sie die lange Zeit, die zwischen der Premiere im Spätsommer 2017 im Ruhrgebiet und der Berliner Version in diesem Jahr liegt.

Das tänzerische Material wird sich in der neuen Umgebung etwas verändern, die thematische Grundkonstellation aber bleibt. ­Stuart übt mit ihrem Ensemble ein, wie Kommunikation und Zusammenleben von Menschen in der Gegenwart und in naher Zukunft gelingen könnten. Das geschieht vor allem durch dialogische Sequenzen. Die spielen sich zwischen den einzelnen Performern ab, aber auch das Publikum ist stets mitgedacht. „Lehnt ein Zuschauer sich etwas zurück, hat er schon eine andere Perspektive“, sagt Stuart.

Und dieser neue Möglichkeitsraum scheint sie durchaus zu erfreuen. Lag beim Auftakt im Ruhrgebiet der Fokus noch mehr auf dem Aspekt Zukunft, die Crew schien in einer Art Raumkapsel in die Industriebrache gekommen zu sein, betont Stuart jetzt das Verwobensein in der Textur Berlins und auch die Beziehungen zu den Künstlern in der Nachbarschaft. Die Zukunft ist also schon einmal nähergerückt.

28.–30.9., 2., 3., 5.–7.10., 19 Uhr, Reinbeckhallen, Reinbeckstr. 17, Oberschöneweide. Choreografie: Meg Stuart. Eintritt 25, erm. 10 €