Die heiße Stadt

Projekte am Start

Klimaanpassung/Stadtklimaschutz

Regenwasser

In der Innenstadt läuft das Regenwasser in eine alte Kanalisa­tion, in der es sich mit Haushaltsabwässern mischt. Schade um das kostbare Nass. Bei starken Regenfällen wie im Sommer 2017 dagegen reicht das Fassungsvermögen der Kanäle nicht. Überflutete Straßen sowie Schäden an Gebäuden und Infrastruktur zählen zu den Folgen, ebenso eine periodisch mit Abwässern verschmutzte Spree.

Foto: Ingenieurgesellschaft Prof. Dr-Sieker mbH

Deshalb soll die Stadt besser für starke Niederschlagsschwankungen ausgerüstet werden, etwa mit größeren Staubecken im Kanalsystem, wie derzeit am Mauerpark in Bau. Mehr ­Flächen müssten entsiegelt werden, zudem ausgewiesene Grünflächen Regen aufnehmen, speichern und versickern lassen. Hinzukommen sollen Vorrichtungen an Straßenrändern und auf Grundstücken, wo sie von Grün überdacht werden, das sie selbsttätig bewässern (s. Foto vom „Mulden-­Rigolen-System“). Das Land und die Wasserbetriebe haben im Mai daher die kleine „Regenwasseragentur“ gegründet, deren Mitarbeiter aufklären, Behörden und Bauherren beraten und mit Experten vernetzen sollen. Zudem wollen sie das Land bei der Verwirklichung eines „1.000-Grüne-Dächer-Programms“ unter­stützen. Ein Schritt Richtung „Schwammstadt“, in der aufgefangener Regen auch der Bewässerung von Fassaden- und Dachgrün dient und die sich durch Verdunstung kühlt.

Risiken: mangelnde Kenntnisse und Akzeptanz bei Grundstückeignern und Bauherren, großer Planungs- und Koordinationsaufwand, mehr Mücken durch Feuchtigkeit

Chancen: nachhaltige Nutzung von Regenwasser, Schutz von ­Gebäuden und Infrastruktur, Sicherheit bei Starkregen, Verbesserung des Stadtklimas durch Verdunstung


Klimaanpassung/Mikroklimaschutz

KiezKlima

Foto: L.I.S.T GmbH

Im dicht besiedelten Weddinger Brunnenviertel haben sich beim Projekt „KiezKlima“ zwischen 2014 und 2017 Nachbarn, Stadtteilakteure und Mitarbeiter des Quartiersmanage­ments, Politiker und Vertreter der Wohnungsbaugesellschaft Degewo getroffen. In Workshops unter Moderation der L.I.S.T. GmbH für Stadtentwicklung (hier bei der Besichtigung einer klimaungünstigen Dachlandschaft) ging es ­darum, im Viertel während heißer Sommer ein gesundes ­Leben zu ermöglichen, vor allem Kindern, Kranken und Rentnern, die zu den Riskogruppen bei Hitzestress zählen. Man hörte Experten zu, sammelte Ideen und arbeitete sie aus. Das Spektrum reicht nun von begrünten Hinterhöfen bis zu schattigeren Spielplätzen und einem Konzept dafür, wie das Ganze zu pflegen und erhalten sei.

Gefördert wurde das Projekt durch das Umweltministerium. Derzeit liegt der Ball bei der Wohnungsbaugesellschaft, die die Umsetzung in die Gänge bringen soll. „KiezKlima“ hat gemeinsam mit drei Mitbewerbern 2016 die Auszeichnung „Blauer Kompass“ vom Umweltbundesamt erhalten: für seine Kombination von Teilhabe, Alltagstauglichkeit und Vorschlägen für die Verringerung klimawandelbedingter Risiken. Ein ähnlicher Ansatz soll in Neukölln erprobt werden.

Risiken: Förder- und Antragsaufwand, hoher Bedarf an Kommunika­tion, Betreuung und Nachbereitung

Chancen: Gesundheitsvorsorge, Bevölkerungsschutz, Verbesserung des Kiezklimas, nachbarschaftliche Bindungen, höhere Lebensqualität, Vermittlung der Folgen von Klimawandel und Klimaanpassung