Tourismus

„Provinzielle Diskussion“

Burkhard Kieker, Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH, über Partyimage, Investoren und zu viele Hotels

Die Jugend bewundert das Berliner Nachtleben. Aber hat das Image einer Partymetropole auch Nachteile?

Es wäre völlig falsch, Berlin nur als Party- und Lifestyle-Metropole zu positionieren. Berlin ist eine vielseitige Metropole, die sich gerade neu erfindet. So sieht es die Welt. Und jetzt haben ein paar Leute hier Schwierigkeiten sich daran zu gewöhnen.

Wie kommen im Ausland die Berichte über eine touristenfeindliche Stimmung an?

Ich würde den Effekt nicht überschätzen. Wir würden auch nach New York fahren, wenn in der Bronx ein Aufkleber „New York doesn’t love you“  hinge. Touristen fühlen sich hier wohl. Berlin ist eine der sichersten Städte, es gibt keine Abzocke oder dergleichen.

Also gibt es keine Probleme?

Ich will nicht  alles schönreden. Bekanntestes Beispiel ist der Lärm auf der Admiralbrücke. Allerdings ist das ein Fall für das Ordnungsamt und darf nicht Anlass sein, eine provinzielle und fremdenfeindliche Grundsatzdiskussion anzustoßen. Auf der Brücke sitzen zum Großteil Berliner, keine Touristen. Wer sich heute in Kreuzberg über Touristen aufregt, ist vermutlich vor zehn Jahren selbst aus der Provinz hierher gezogen. 

Aber beschweren sich die Anwohner nicht zu Recht, wenn aus ihrer Nachbarwohnung eine Jugendherberge wird?

Völlig richtig. Es kann nicht sein, dass in Wohnungen ganze Schulklassen untergebracht werden. Ich kann den Ärger verstehen und daher kommt auch meine Bitte an den Senat über das Zweckentfremdungsverbot nachzudenken.

Zugleich werden sehr viele Hotels gebaut. Zu viele?

Ja und nein. Es stimmt, dass sich das Angebot von der Nachfrage abgekoppelt hat. Die Finanzinvestoren versuchen schon jetzt, ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Darunter leiden  alle, insbesondere die kleinen Hotels. Berlin ist momentan der härteste Hotelmarkt der Welt.

Und was passiert, wenn die Karawane weiterzieht und Berlin nicht mehr die junge, hippe Stadt ist?

Wir haben mit diversen Zukunftsforschern und Experten über die Merkmale des Erfolges von Berlin gesprochen. Die Antwort: Die Toleranz und die Vielfältigkeit sind die Merkmale, die bleiben werden.

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