KINDERTHEATER

Pünktchen und Anton

In Milan Peschels Inszenierung trifft der Kästner-Klassiker auf Ton Steine Scherben

In der dramaturgischen Sackgasse: Ensemble – Foto: Christian Brachwitz
ZITTY-Bewertung: 4/6

„Nee, nee, nee, eher brennt die BVG!“ – der Song rockt, macht Spaß und passt zum heutigen Berlin besser denn je. Die Revoluzzer-Stimmung von Ton Steine Scherben prägt die Inszenierung mit vielen Songs und könnte sich aufs Schönste mit Kästners sozialer Anklage und dem aktuellen Protest gegen immer mehr Armut in der wohlhabenden BRD verbinden. Einerseits. Andererseits geht der ganze ­Krimi um die geheime Freundschaft von Pünktchen und Anton grandios baden, weil man ihn nicht versteht, wenn man ihn nicht schon kennt.

Regisseur Milan Peschel lässt die Schauspieler beständig einen hohen Ton anschlagen, das ist nach einer Weile ermüdend, die Inszenierung findet keinen Rhythmus. Energetisch rennend und rufend laufen die Schauspieler in eine dramaturgische Sackgasse. Dafür kommt ein echter getrimmter Pudel auf die Bühne, der ist für die Kinder natürlich der Hit.

Es gibt wahnsinnig lustige Slapstick-Szenen und kraftvoll agierende Schauspieler, aber ausgerechnet in den wenigen leisen Szenen werden die Kinder unruhig, weil das Geschehen sie zu lange außen vor gehalten hat. Das Ende kommt plötzlich und wird als „glücklich und gerecht“ bezeichnet, im Gegensatz zur mangelhaften Wirklichkeit. Eine wirre, aber symphatische, umstürzlischere Atmosphäre macht sich breit. Was das mit der Geschichte von Pünktchen und Anton zu hat, weiß man da schon lange nicht mehr. REGINE BRUCKMANN

1.6., 10 Uhr, 25.6., 16 Uhr, 12.7., 10 Uhr, ­Thea­ter an der Parkaue im Prater, Kastanienallee 7–9, Mitte. Regie: Milan Peschel, ab 8 Jahren. Eintritt 13, erm. 9, Kinder 7 €

Rauchen auf der Bühne

Milan Peschels Inszenierung des Erich-Kästner-Klassikers „Pünktchen und Anton“ (­siehe obige Rezension) für Kinder von 8 bis 13 Jahren hat sich den Zorn von Lehrern eingefangen. Der Grund: Auf der ­Bühne raucht Pünktchens Vater, ein Spazierstock-Fabrikant, eine ­Zigarre. Die Pädagogen forderten das Thea­ter an der Parkaue auf, die Inszenierung in eine rauchfreie zu ändern – sonst würden sie 90 bereits vorbestellte Karten stornieren. Milan Peschel und das Thea­ter weisen die Kritik mit Hinweis auf die Kunstfreiheit zurück und ändern nichts – Pünktchens Vater darf weiter seine Zigarre paffen. Zwar gilt in Theatern allgemein ein Rauchverbot, doch lässt das Nichtraucherschutzgesetz Rauchen als Teil einer künstlerischen Darbietung auf der Bühne ausdrücklich zu. Ob die 90 Karten nun tatsächlich storniert wurden, wurde nicht mitgeteilt.  -icke