DISKURSREIHE

Sei Beyoncé

Das Gorki Theater beendet seine Spielzeit mit dem Diskurs-Performance-Wochenende „Pugs In Love“ zu politischen Aspekten der Queerness

Frutas Afrodisíacas: West-Berliner Tuntenbewegung revisited aus lateinamerikanischer Sicht – Foto: Michaela Muchina

Text: Georg Kasch

Plötzlich geht alles ganz schnell: Die Ehe für alle ist durch. Und nun? Alle happy? Deutschland, einig Regenbogenland? Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Mit der Ehe für alle verschwinden weder Gewalt gegen und Diskriminierung von nicht-heterosexuellen Menschen noch rechtliche Defizite beim Thema Trans*. Vielmehr könnte es sein, dass sich der Druck auf die queere Community verstärkt: Jetzt habt Ihr das Recht, jetzt heiratet auch!

Dass es noch ganz andere Ziele gibt als den Ehehafen, zeigt das queere Wochenende „Pugs in Love“ am Maxim Gorki Theater. Hinter den drei Buchstaben von Pug stecken Perverse und Gefährdete, oft mehrfach marginalisierte Homo-, Trans*-, Inter-, Pan-, Contra- und Polysexuelle. Klingt gefährlicher, als es ist: Auch der Modebegriff queer, der ja längst als Synonym gilt für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans- und Intermenschen, bedeutete mal so etwas wie pervers, besaß politische Sprengkraft.

Daran will das Gorki Theater anknüpfen mit der Frage, wofür Queerness heute steht. Mit der dreiteiligen Diskursreihe „Heterosexualität_en“ (in Zusammenarbeit mit dem Schwulen* Museum), aber auch mit Performances im Studio Я, von denen viele schon mal in Berlin zu sehen waren.

„Feygele“ zum Beispiel, die Soloperformance von Tobias Herzberg über die Klischees, die sich aus der Kombination jüdisch und schwul ergeben. „Frutas Afrodisíacas“, in denen Jair Luna, Simon(e) J. Paetau und Iury Trojaborg die Früchte des Kampfes ernten. Daniel Hellmanns „Traumboy“, der die Doppelmoral einer durchkapitalisierten und übersexualisierten Gesellschaft entlarvt.

Einen virtuellen Beichtstuhl errichten Tucké Royale und Marianne Dieterle in ihrer partizipativen Installation „Kinky Confessional“, die ano­nymisierten Beichten können später auf Hörstationen abgehört werden. Und in der Lecture Performance „Don’t Worry Be Yoncé“ vom Kollektiv Pony Camp kann man in wenigen Schritten selbst zur LGBT-Ikone ­Beyoncé werden.

Natürlich gibt’s auch Konzerte und Partys. Queer ist zwar ein politischer Begriff, darf aber auch einfach Spaß machen. 

6.–9..7., Maxim Gorki Theater | Studio Я, Hinter dem Gießhaus 2, Mitte. Eintritt Performances 10, erm. 5 €, Panels 5 €
www.gorki.de