Westbams Club-ABC

Q wie Quartier Latin

Eigentlich sollte man meinen, dass der Buchstabe Q eine komplizierte Angelegenheit wäre in einem Club-Lexikon. Doch weit gefehlt: Quasimodo, Querelle, Q-Dorf, gleich drei Clubs habe ich auf meiner Liste. Einzig: in keinem von ihnen war ich jemals. Doch – gepriesen sei Gott in der Höhe – gab es noch das Quartier Latin, an das ich ausschließlich die allerbesten Erinnerungen habe.

Der legendäre Michael Schäumer, der in den 80er Jahren eine New Wave Band namens P1E führte, wurde Chef des Quartier Latin, bevor es zum Wintergarten wurde und mit Kleinkunstdarbietungen reüssierte. So kam es, dass das Quartier in den frühen 90ern für einige Abende tatsächlich zu einem nicht ganz unbedeutenden Technotempel wurde, in dem auch ich einige Veranstaltungen durchführte. Der Radiosender Fritz kommentierte damals eine Party, bei der L.F.O und ich spielten: „Das mag man sich mal vorstellen, gibt’s noch einen DJ Moby und einen DJ Dick.“ Tatsächlich war ich für ein paar Wochen sogar Resident-DJ im Quartier und als Gäste kamen Dr. Motte und Derrick May.

Ein absolutes Highlight der frühen 90er im Quartier Latin waren die „Gay Tea Dance Parties“, die zum Sonntagstreffpunkt der ganzen Berliner Szene werden sollten. Noch eine weitere nicht unbedeutende Veranstaltung gab es im Quartier: „The Brain“. Das Projekt von Wolle XDP Neugebauer nach dem Ende seines Tekknozids war eine reine Trance-Party. Hier legte erstmal Paul van Dyk explizit als Trance-DJ auf, worauf sich seine spätere Weltkarriere gründen sollte.

 

Zeitpunkt des Besuchs: gelegentlich in den frühen 90er Jahren

Addresse: Potsdamer Strasse

Typischer Track: „What Time is Love“ von KLF

 

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